Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c11.s2.t2.8
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c11.s2.t2.8
- Language
- German
c11.s2.t2.8
Der Weg, auf dem ein Jaina dazu kommt, in den geistlichen Stand zu treten, ist, wie oben S. 336 f. gezeigt wurde, sehr verschieden. Das Gewöhnliche ist oder sollte sein, daß er durch die Predigt eines Asketen dazu gebracht wird, in sich zu gehen und dadurch in ihm der Entschluß reift, sich ganz der Weltentsagung zu weihen. Ein Mann, der willens ist, dies zu tun, wendet sich dann an einen Mönch mit der Bitte, ihn auf das Asketentum vorzubereiten. Hält ihn dieser für geeignet, so nimmt er ihn als Schüler an und macht ihn schließlich, nachdem er die vorbereitenden Stufen der Selbstzucht durchmessen und von der Unerschütterlichkeit seiner Absicht Proben abgelegt hat, durch eine feierliche Initiations-Zeremonie zum Asketen. Vielfach geschieht der Eintritt in den Stand des heimatlosen Büßers jedoch in anderer Weise. Einmal kann der, welcher die Weltentsagung vollziehen will, ohne von jemandem Belehrung empfangen zu haben, selbst zur Erkenntnis der Wertlosigkeit alles Irdischen erwachen und ohne menschliche Hilfe ein Asket werden. Dies ist z. B. bei den Tīrthankaras der Fall, die, wie die Jainas stets betonen, als ,,Svayambuddhas“ das Yatitum erreichten. Sodann aber, und das ist, wie oben S. 340 schon bemerkt wurde, heute häufig der Fall, treten Kinder in den geistlichen Stand, Knaben, die schon im zarten Alter zu Mönchen erzogen worden sind und die deshalb von Jugend auf eine Schulung durchgemacht haben, die andere in kurzer Zeit absolvieren müssen. All dieses bedingt natürlich eine unterschiedliche Behandlung im einzelnen.