Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s2.t1.11
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s2.t1.11
- Language
- German
c7.s2.t1.11
Bei dem Dunkel, das noch über der Frühgeschichte der indischen Philosophie gebreitet liegt, läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen, wann und von wem die Lehre von den Seelenmonaden zuerst aufgestellt wurde. Aus der Tatsache, daß sie in den ältesten Upanishaden noch nicht vorhanden war, in den jüngeren Schriften dieser Litteraturgattung aber schon allgemein anerkannt wird, ergibt sich, daß ihr Entstehen in den Anfang oder jedenfalls die erste Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrtausends zu setzen ist. Da der Jainismus für seine ganzen philosophischen Anschauungen den Unterschied von Geist und Stoff und die Theorie von der Existenz ewiger Individualseelen voraussetzt, kann er frühestens in einer Zeit entstanden sein, in der die neue Seelenlehre aufkam. Als obere Grenze für seine Entstehungszeit würden sich, wenn die vorgetragenen Ansichten über eine Verschiedenheit der psychologischen Vorstellungen in den älteren und jüngeren Upanishaden richtig sind, die ersten Jahrhunderte nach dem Jahre 1000 v. Chr. ergeben. Das aber paßt vortrefflich zu der Lehre der Jainas, die ihren Propheten Pârshva im 8. vorchristlichen Jahrhundert seine Lehre von der Verschiedenheit von Geist und Materie und von der Erlösung durch die Befreiung der Einzelseele vom Stoff verkünden lassen. Der Annahme, daß der Jainaglaube durch Pârshva um 800 v. Chr. begründet worden sei, steht somit vom philosophiegeschichtlichen Standpunkt aus nicht nur nichts im Wege, sondern sie findet vielmehr in allem, was wir von dem geistigen Leben jener Zeit wissen, eine Bestätigung.