Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s2.t1.7
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s2.t1.7
- Language
- German
c7.s2.t1.7
In dem Mittelpunkt des Philosophierens aller Asketenorden stand der Wunsch nach der Erlösung, der Wille, frei zu werden von den Ketten des Sansâra, von den Qualen des sich immer erneuernden leidvollen Daseins. Die theoretischen Grundlagen dieses Glaubens sind in der ältesten Zeit noch recht primitiv: die Weisen der älteren Upanishaden schieden noch nicht Geist und Stoff voneinander, und die Vorstellung einer Seelenmonade lag ihrem Denken noch fern. Das Psychische ist für sie — wie H. Jacobi in seinem Werke „Die Entwicklung der Gottesidee bei den Indern“ S. 8 ff. gezeigt hat — keine Einheit, sondern ein Komplex von fünf Faktoren oder Prânas: Odem, Sprache, Gesicht, Gehör, Verstand. Diese fünf Faktoren machen, wenn sie vereinigt sind, eine Persönlichkeit aus; stirbt ein Wesen, so löst sich diese Verbindung. Ein Fortleben nach dem Tode ist trotzdem möglich, dann nämlich, wenn sich fünf Prânas wieder zusammenfinden. Eine solche Verbindung kommt aber regelmäßig zustande durch die Macht des Karma, durch die transzendente Kraft der Verschuldung oder des Dienstes der Taten in einem früheren Dasein. Aufhören tut der Kreislauf des Werdens nur für den, der sein Karma vernichtete und dadurch den Keim zu neuer Wiedergeburt zerstört. Dies geschieht durch Askese und die Erkenntnis des über allen Wechsel Erhabenen, des Brahma, aus dem alles hervorgegangen ist, das allem zugrunde liegt und das alles in sich zurücknimmt. Wer sich in das Brahma versenkt, der allein wird frei von Leid, von Sünde und von jeder Begrenzung.
Cites (5)
- Kauṣītakibrāhmaṇopaniṣad — Sanskrit
- Chāndogyopaniṣad — Sanskrit
- Taittirīyopaniṣad — Sanskrit
- Aitareyopaniṣad — Mahidāsa Aitareya, Sanskrit
- Bṛhadāraṇyakopaniṣad — Sanskrit