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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s2.t2.3

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s2.t2.3

Language
German

c7.s2.t2.3

Nach den Berichten der Jainas waren die Hauptpunkte der Lehre Pârshvas etwa folgende: Das ganze, unerschaffene und unvergängliche Universum ist in seinen drei Abteilungen, der Oberwelt der Götter, der Mittelwelt der Menschen, Tiere, Pflanzen und der Unterwelt der Dämonen und Höllenwesen angefüllt mit einer unendlichen Zahl von ewigen, unzerstörbaren individuellen Seelen. Diese Seelen (Jîva) sind an sich rein geistig, körperlos, selig; sie besitzen unendliches Wissen, unbeschränkte Kräfte, höchste sittliche Vollkommenheit und stehen alle einander im Range gleich. Die den Jîvas von Natur innewohnenden Eigenschaften kommen bei den meisten von ihnen jedoch nicht zur Entfaltung; die meisten Seelen in der Welt sind vielmehr mit den Körpern von mehr oder weniger langlebigen Wesen, mit den Leibern von Göttern, Menschen, Tieren, Pflanzen oder Höllenwesen bekleidet, sie sind dem Wechsel von Lust und Leid unterworfen, ihre Erkenntnis, ihre Kraft, ihr moralischer Zustand ist unvollkommen und ein unentrinnbares Schicksal hebt sie auf die Höhen des Lebens, gibt ihnen Genuß, Macht, Reichtum oder stürzt sie in die Tiefen von Elend, Knechtschaft und Armut herab. Die gänzliche Veränderung der Eigenschaften der Seelen, oder richtiger: die völlige Verhüllung ihrer natürlichen Qualitäten ist eine Folge ihrer Verbindung mit einem andersgearteten, ihnen fremden Element — mit der Materie. Beständig dringen feine Stoffe, dem Auge unsichtbar, in die Seelen ein, versehen sie mit den verschiedenen Arten von Leibern und Organen, beschränken sie in ihrem Wissen, Wollen und Tun und lassen sie bald süße Wonnen, bald bittere Schmerzen kosten. Die unentrinnbare Vergeltungskausalität des Karma, das unaufhörliche Spiel von Tod und Leben, der Strom des Daseins mit seinem Auf- und Abwogen von Glück und Mißgeschick, ja der ganze Weltprozeß selbst ist nach Pârshva nichts anderes als eine Folge der verhängnisvollen Verbindung der beiden heterogenen Substanzen Geist und Stoff. Seit anfangsloser Zeit zieht jede verkörperte Seele durch ihre Gedanken, Worte und Taten materielle Atome in ihren Bereich, die in ihr zu Karma werden, in ihr festhaften und nicht eher weichen, als bis sie ihre mehr oder minder schädliche Wirkung getan haben und andere, neue an ihre Stelle treten.