Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s2.t3.11
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s2.t3.11
- Language
- German
c7.s2.t3.11
Obwohl Mahâvira, wie ihn uns die Texte schildern, nicht die Leutseligkeit eines Buddha besaß, sondern sich stets mit aristokratischer Gelassenheit zurückhielt, war er doch keineswegs gleich den brahmanischen Meistern ein Lehrer, der eine esoterische Wissenschaft einem kleinen Kreise von Auserwählten unter dem Siegel des Geheimnisses mitteilte. Mahâvira predigte jedem, der ihn hören wollte, und damit recht viele dazu imstande seien, redete er nicht in dem nur Gebildeten zugänglichen Sanskrit, sondern in Ardhamâgadhî, der Umgangssprache seiner Heimat. Die großen Erfolge, die seine Lehrtätigkeit aufzuweisen hatte, zeigen, daß er auf seine Zuhörer in außerordentlicher Weise zu wirken verstand. Das Publikum, das seinen Vorträgen lauschte, entstammte allen Bevölkerungskreisen. Fürsten und Krieger, Priester und Kaufleute drängten sich ebenso zu seinen Reden wie Leute aus niederen Schichten und sogar Nicht-Arier, Männer wie Frauen. In erster Linie waren es aber doch die Vornehmen, bei welchen die Lehre ihres Standesgenossen Mahâvira Anklang fand. Die heiligen Schriften der Jainas gefallen sich darin, mit großer Farbenpracht in epischer Breite zu erzählen, wie Könige mit ihrem Harem und ihren Hofleuten und Staatsbeamten, begleitet von zahllosen Kriegern und Dienern und gefolgt von einer großen Volksmasse, zum Tîrthankara zogen, um der Verkündigung seiner Lehre beizuwohnen. Nicht weniger als dreiundzwanzig Könige werden aufgezählt, die sich seinem Evangelium anschlossen und ihm in Verehrung zugetan waren.