Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s2.t3.10
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s2.t3.10
- Language
- German
c7.s2.t3.10
Noch in einer anderen Hinsicht besteht eine grundlegende Verschiedenheit zwischen den beiden großen Männern: in dem Verhältnis zu ihren Mitmenschen. Ernst Leumann¹⁰ sagt darüber: „Mahâvîra war eine zurückhaltende, Buddha eine offene Natur. Mahâvîra mied den Umgang mit Menschen, Buddha pflegte ihn. Dieser Gegensatz kommt teils darin zum Ausdruck, daß Buddha mit den Seinigen gelegentlich sich zu einer Mahlzeit einladen ließ, was Mahâvira als ein unerhörtes Paktieren mit dem Weltleben empfand. Teils aber und bedeutsamer zeigt sich jener Gegensatz darin, daß Buddha auf seinen Wanderungen den und jenen ansprach und mit gewandtem Eingehen auf seine Lebensansichten und Lebensgewohnheiten in allgemeinerzieherischem und erhebendem Sinne auf ihn einwirkte. Auf eine solche Tätigkeit allgemeinster Seelsorge hätte der Asket Mahâvira bei seiner Menschenscheu nie verfallen können; es kam nicht vor, daß er jemanden aufsuchte, um ihn geistlich zu belehren und zu beraten, und wenn allenfalls jemand einer religiösen Unterhaltung wegen zu ihm kam, dann hat er kaum auf die Gedankengänge des Besuchers sich einzurichten gewußt, sondern einfach in starrer Darlegung seiner eigenen Lehren eine strenge Antwort erteilt.“