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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s2.t3.16

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s2.t3.16

Language
German

c7.s2.t3.16

er interessiert uns in diesem Zusammenhang deswegen, weil er selber zu Mahâvîra in enger Beziehung gestanden hat. Gosâla war der Sohn eines gewerbsmäßigen Bettlers. Nach mancherlei Erlebnissen hatte er sich dem Nirgrantha-Orden angeschlossen, trat aber, nachdem er diesem sechs Jahre hindurch angehört hatte, aus ihm wieder aus und gründete eine eigene Gemeinde. Als er sechzehn Jahre später mit Mahâvîra zusammentraf, kam es zu lebhaften Streitigkeiten. Bald danach scheint Gosâla gestorben zu sein; doch blieben seine Anhänger auch nach seinem Tode seiner Lehre treu, so daß wir noch im sechsten Jahrhundert n. Chr. die Âjîvikas als eine besondere Sekte erwähnt finden und noch im dreizehnten Jahrhundert ihr Name erscheint, wahrscheinlich aber dann als eine Bezeichnung für die Digambara-Jainas, mit welchen sich die Âjîvikas möglicherweise später wieder vereinigt haben. Gosâla war zweifellos ein sehr merkwürdiger Mensch; ob das, was uns über sein wüstes Leben und seine sonderbaren Lehren von seinen Gegnern, den Buddhisten und Jainas, berichtet wird, den Tatsachen entspricht, ist allerdings zweifelhaft, da ja feindliche Sekten stets bestrebt sind, Ketzern allerlei Anrüchiges anzuhängen. Soweit ersichtlich, hat Gosâla eine Reihe von Lehren verkündet, welche mit denen der Jainas übereinstimmen, sei es, daß er sie von jenen übernommen hatte, sei es, daß er sie während der Zeit, während welcher er bei Mahâvîra weilte, aufgestellt und seine damaligen Glaubensgenossen zur Annahme derselben bewogen hatte (was allerdings weniger wahrscheinlich sein dürfte). Manche seiner Anschauungen und vor allem seiner Vorschriften über den Lebenswandel weichen hingegen aufs stärkste von denen der Jainas ab. Neben dem ausgesprochenen Determinismus, den er verkündete, ist besonders die Reanimations-Theorie ein charakteristischer Punkt seines Systems. Nach dieser muß jede Seele, bevor sie zur Erlösung gelangen kann, nachdem sie zahlreiche, genau bestimmte Existenzen in den verschiedensten Daseinsformen durchgemacht hat, in ihrem letzten irdischen Leben siebenmal den Körper tauschen, d. h. in den Leib eines Verstorbenen eingehen und diesen dadurch neu beleben. Erst wenn dieses geschehen ist, ist es ihr möglich, die Seligkeit zu erreichen. Gosâla behauptete von sich, im Verlauf von 133 Jahren siebenmal den Körperwechsel vollzogen zu haben. Nachdem er sechsmal schon den Leib getauscht, sei er schließlich zum letzten Male in Shrâvastî in den Leichnam des Gosâla eingedrungen, den er sechzehn Jahre innehabe. Auf Grund dieser Theorie wollte Gosâla glauben machen, daß er nur dem Leibe nach mit Gosâla, dem früheren Schüler Mahâvîras identisch sei, während seine Seele mit der des Gosâla nichts zu tun habe, da letzterer gestorben und in einem Götterhimmel wiedergeboren worden sei.