Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s2.t3.9
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s2.t3.9
- Language
- German
c7.s2.t3.9
Streng gegen sich, aber auch streng gegen andere, war Mahâvîra ein unbedingter Vertreter asketischer Lebensführung. Er hatte selbst ein Leben, voll von Freuden, von Genüssen aufgegeben, um seine ganze Persönlichkeit einem höheren Ziel zu weihen; bis aufs äußerste hatte er sein Fleisch abgetötet, alle sinnlichen Wünsche und Triebe in sich zum Verschwinden gebracht und durch die größte Selbstüberwindung die höchste Selbstbeherrschung gewonnen. Mit eiserner Konsequenz forderte er von seinen Schülern, daß sie ihm auf diesem Wege folgten. Dadurch wurde er zu einem Hauptwortführer asketischer Moral. Ein Zeugnis für die Strenge, mit welcher er Vorschriften über die Lebensführung aufstellte und einhielt, ist es, wenn er, wie berichtet wird, sich das Haar mit den Wurzeln ausriß und alle Kleidung ablegte, statt, wie es die meisten Asketen seiner Zeit taten, sich damit zu begnügen, den Kopf kahl zu scheren und ein Mönchsgewand anzulegen. Durch diese hohe Wertschätzung der Askese unterscheidet sich Mahâvîra von seinem großen Zeitgenossen Gautama Buddha; er predigte die Notwendigkeit des Fastens und anderer Arten der Kasteiung, während der Buddha dies als einen Irrweg verurteilte, der von dem von ihm verkündeten „mittleren Wege“ der Selbstzucht ebenso weit entfernt sei wie das nach Genüssen haschende und in ihnen sich verzehrende Weltleben.