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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s3.t4.2

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s3.t4.2

Language
German

c7.s3.t4.2

Ob der Keim des großen Zwiespalts, der noch heute in der Jaina-Gemeinde klafft, tatsächlich auf die mit der zwölfjährigen Hungersnot zusammenhängenden Verhältnisse zurückgeht oder nicht, steht dahin. Möglicherweise hat es seit jeher zwei Richtungen im Jainatum gegeben, eine strengere, die sich genau an Mahâvîras Regel hielt, und eine mildere, welche Pârshvas freiere Vorschriften befolgte. Die Tatsache, daß wir aus alter Zeit Vorschriften für Nonnen besitzen, denen natürlich das Nacktgehen verboten war, beweist jedenfalls, daß das Gebot der Nacktheit nie allgemein Anerkennung gefunden hatte. Die im Laufe der Zeit vor sich gehende Zuspitzung des Gegensatzes zwischen den beiden Parteien wurde zweifellos dadurch begünstigt, daß der Jainismus sich über weite Gebiete Indiens ausdehnte und die einzelnen Gemeinden, voneinander räumlich getrennt, ihre Eigenart immer mehr ausbilden konnten. Im Verlaufe dieser Entwicklung mußte schließlich ein Punkt erreicht werden, wo eine Überbrückung der Gegensätze nicht mehr möglich schien und eine Scheidung der Geister von selbst eintrat. Wie und wo die förmliche Trennung erfolgte, läßt sich nicht sagen. Das, was die beiden Parteien darüber berichten, weicht völlig voneinander ab, weil jede Konfession darzutun sucht, daß sie allein das alte Jainatum repräsentiere und die gegnerische durch einen Abfall vom reinen Glauben entstanden sei. Der Umstand, daß die Shvetâmbaras die Entstehung der Digambara-sekte in das Jahr 83 n. Chr., die Digambaras den Ursprung der Shvetâmbara-Partei in das Jahr 80 n. Chr. verlegen, macht es wahrscheinlich, daß die endgültige Spaltung erst zu Ende des 1. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung erfolgte²¹.