Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s3.t4.3
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s3.t4.3
- Language
- German
c7.s3.t4.3
Seit jener Zeit ist jeder der beiden Zweige der Jaina-Kirche seinen eigenen Weg gegangen. Trotz der Spaltung sind die trennenden Unterschiede zwischen beiden nur verhältnismäßig gering. Der augenfälligste dieser Unterschiede, der die Asketenkleidung betrifft, tritt heute nicht mehr stark in die Erscheinung, weil nackte Digambara-Mönche in der Gegenwart nur an Zahl gering sind und sich nur an abgelegenen Orten aufhalten. Hingegen bestehen in der sozialen Organisation beider Konfessionen noch jetzt bedeutende Abweichungen, die auf die ursprünglichen Differenzen in der Kleiderfrage zurückgehen. Dazu kommen noch Verschiedenheiten in Glaube und Ritus: die Digambaras meinen, daß kein Weib die Erlösung erlangen könne; ihre Kultbilder zeigen die Tīrthankaras nackt und ohne den Schurz und die Schmuckstücke, welche die Shvetāmbaras ihren Idolen umhängen. Bemerkenswert sind die Abweichungen hinsichtlich der heiligen Legende. Die Digambaras glauben nicht wie ihre Gegner, daß Mahāvīra, bevor er von der Königin Trishalā geboren wurde, im Schoße der Devānandā geweilt habe und daß er vor seiner Weltentsagung verheiratet gewesen sei; sie sind auch nicht der Ansicht, daß ein Tīrthankara Speise zu sich nehme, sondern glauben, daß er derselben nicht bedürfe.