Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s5.t2.2
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s5.t2.2
- Language
- German
c7.s5.t2.2
Aus der Tatsache, daß manche mohammedanische Fürsten gegen die Jainas mit Feuer und Schwert vorgingen und sie gewaltsam zu ihrem Glauben zu bekehren suchten, darf nicht darauf geschlossen werden, daß das Verhältnis zwischen Muselmanen und Jainas stets ein feindseliges gewesen sei. Es scheint vielmehr, daß es eindrucksvollen Predigern wie dem arabischen Missionar Pîr Mahâbîr Khamdâyat, der 1304 nach Indien kam, gelang, allein durch die Kraft seiner Argumente und durch seine zündende Beredtsamkeit viele Jainas des Dekhan zu Moslems zu machen⁵², und oftmals haben zwischen Mohammedanern und Jainas friedliche und freundschaftliche Beziehungen bestanden. Alâ-ud-dîn, den die Jainas Khûnî, den „Blutigen“ nannten, machte dem Jaina-Dichter Râmacandra Sûri große Geschenke⁵³, und Sultan Firoz Shâh Tughlaq (1351–1388) ehrte den Ratnashekhara, den Verfasser des Shrîpâlacarita. Namentlich aber zeichneten einige Großmogulen hervorragende Jainalehrer durch Gnadenerweise aus. Kaiser Akbar (1556–1605) schenkte dem Shvetâmbara-Abte Hîravijaya seine Freundschaft und nahm so reges Interesse an den religiösen Vorstellungen der Jainas, daß das Gerücht entstehen konnte, er sei heimlich zum Jaina-Glauben übergetreten. Auf Hîravijayas Veranlassung erließ Akbar 1593 ein Edikt, durch welches die Berge Girnâr, Shatrunjaya, Âbû in Gujarât, die fünf Hügel von Râgjîr und der Berg Pârasnâth in Bihâr sowie andere Heiligtümer den Shvetâmbaras als Kultstätten überwiesen wurden. Der Kaiser verbot des weiteren die Tötung von Tieren in der Umgebung der heiligen Bezirke, gab den Jainas Bücher zurück, die ihnen geraubt worden waren, und erwies ihnen noch manche andere Wohltaten. Auch zu Hîravijayas Nachfolger Vijayasena und zu Jinacandra, dem Oberhaupt der Kharatara-Sekte, stand Akbar in Beziehungen. Kaiser Jahângîr (1605—1627) zog ebenfalls Jinacandra und dessen Nachfolger Jinasinha, welchem er den Titel eines Yugapradhâna verlieh, an seinen Hof und erließ einen Farmân zum Schutze des Shatrunjaya. Shâhjahân (1627—1658) veröffentlichte eine ähnliche Urkunde, und seine Söhne Murâd Baksh (zuerst Gouverneur von Gujarât, dann für eine kurze Zeit Kaiser, bis er von seinem Bruder ermordet wurde) und Aurangzeb (1659—1707) verliehen dem Hofjuwelier Satîdâs, einem Jaina, den Distrikt Shatrunjaya mit seinen Einnahmen im Werte von 2 Lâkh als Inâm. Ahmed Shâh (1748—1754) tat das Gleiche mit dem Berge Pârasnâth, welcher dem Jagat Sheth (Welt-Kaufmann) Mahtâb Rai und seinen Nachkommen zugewiesen wurde, um auf diese Weise die ungestörte Wallfahrt der Jainas zu sichern⁵⁴.