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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s5.t4.3

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s5.t4.3

Language
German

c7.s5.t4.3

In der Lonkâ-Sekte entstanden später Spaltungen und Parteiungen. Bedeutsam von diesen wurde die Reform des Lavajî, Sohnes des Vîra, eines Asket gewordenen Laien aus Surât. Dieser fand, daß das Leben der Lonkâs an Strenge hinter den Vorschriften der heiligen Schriften zurückbliebe, er stiftete daher eine neue Sekte, die mit der Zeit eine solche Verbreitung fand, daß sie später die wesentlichste Hüterin der Lehren Lonkâs wurde. Diese Gemeinde, die im Jahre 1653 entstand, erhielt von der Bevölkerung von Gujarât den Spitznamen Dhûndiyâ (die Sucher), eine Bezeichnung, die ihr zum Ehrennamen wurde. Die Dhûndiyâ selber nennen sich Sthânakavâsîs, weil alle religiösen Handlungen nicht in Tempeln, sondern im Gemeindehause (Sthânaka = Upâshraya) vor sich gehen. Sowohl den Digambaras als auch den bilderverehrenden Shvetâmbaras an Zahl heutzutage ungefähr gleich, sind die Sthânakavâsîs in der Gegenwart gewissermaßen a dritte Konfession der Jainakirche zu betrachten. Sie rechnen sich selber aber zu den Shvetâmbaras, von denen sie in der Lehre, abgesehen von einigen nebensächlichen Punkten, nur darin abweichen, daß sie nur 32 kanonische Schriften anerkennen. (Lonkâ hatte nur 31 heilige Schriften anerkannt; das Vyavahâra-Sûtra, das er warf, wurde jedoch von den Sthânakavâsîs als autoritativ angesehen.) Im Kultus unterscheiden sie sich hingegen sehr wesentlich von ihnen dadurch, daß sie keine Idole verehren, keine Tempel besitzen und Pilgerfahrten keine Bedeutung beilegen. In ihren Reihen entstanden auch wieder verschiedene Zweige, die eine strengere Ordnung des Lebens der Mönche durchführten.