Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s5.t4.4
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s5.t4.4
- Language
- German
c7.s5.t4.4
Die Reformen von Lonkâ und seinen Nachfolgern richteten sich nicht allein gegen Bilderkult und Werkdienst, sondern erstrebten eine allgemeine Besserung von Zucht und Sitte. So sehr Lonkâs Gegner auch seine Neuerungen in Kult und Ritual bekämpften, die Tatsache, daß dem Jainatum eine Reform an Haupt und Gliedern nottat, konnten sie nicht umhin, anzuerkennen. Denn im Laufe dieser Zeit hatte die Disziplin in den Mönchsorden zum Teil bedenklich nachgelassen. Laxe Auffassungen waren an die Stelle der strengen Vorschriften Mahâvîras getreten, so daß diese zum Teil geradezu in ihr Gegenteil verkehrt worden waren. Das Verbot, sich (außer während der Regenzeit) lange an einem Orte aufzuhalten, war beiseite gesetzt worden, und das Gesetz des „Aparigraha“, der völligen Besitzlosigkeit, wurde nicht beachtet. Die Mönche frönten nur zu oft den Lüsten der Welt, eigneten sich den Besitz der Kirche an und vernachlässigten ihre geistlichen Pflichten. Die Oberen mancher Klöster traten nach der Art der Shankarâcâryas und anderer hinduistischer Kirchenfürsten mit Elefanten und Sänften, Trabanten und Dienern auf und benutzten die reichlich fließenden Almosen ihrer Laienanhänger dazu, um ein komfortables Wohlleben zu führen. Gegen diese Mißstände hatten einsichtige Führer wiederholt schon anzukämpfen versucht, ohne freilich einen bleibenden Erfolg zu erzielen. Im 17. Jahrhundert scheint der Materialismus unter den Shvetâmbaras in Gujarât besonders stark um sich gegriffen zu haben, was teilweise wohl durch die allgemeine Unsicherheit und die dadurch entstandene Verwilderung der Sitten zu erklären ist. Einer Reihe von hochbegabten, von echter Frömmigkeit erfüllten Männern gelang es, einen kräftigen Stamm von Anhängern heranzubilden, welche das alte asketische Ideal wieder zu Ehren brachten. Die Führer der auf Verwirklichung der alten, strengen Mönchsregeln gerichteten Bewegung waren Ânandaghana, Satyavijaya, Vinayavijaya und Yashovijaya (1624—1688)⁵⁹. Die beiden zuletzt Genannten entfalteten auch als Schriftsteller eine äußerst fruchtbare Tätigkeit; Vinayavijaya verdanken wir das große Kompendium Lokaprakâsha (Weltfackel), eine Gesamtdarstellung der Jaina-Lehre in ihren verschiedenen Zweigen, während Yashovijaya sich als Verfasser von an hundert Werken in Sanskrit und Gujarâtî einen Namen gemacht hat. Die diesen Meistern folgenden Asketen kleideten sich in safrangelbe Gewänder, wodurch sie sich von den weißgekleideten anderen unterschieden. Auch heute besteht die Gemeinde der „Samvegìs“ noch und erfreut sich wegen ihrer mustergültigen Lebensführung überall des höchsten Ansehens.
Cites (1)
- Lokaprakāśa — Kṣemendra, Sanskrit