Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t2.14
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t2.14
- Language
- German
c8.s2.t2.14
König Satyandhara von Râjapura wurde von seinem ungetreuen Minister Kâshthângâraka seines Thrones beraubt und getötet. Seiner Gattin Vijayâ, die damals gerade guter Hoffnung war, gelang es, sich zu retten. Auf einem Leichenacker gab sie einem Knaben das Leben. Der Kaufmann Gandhotkara, dessen Kinder infolge einer von ihm in seinem früheren Leben aufgehäuften Schuld alle kurz nach der Geburt starben, kam damals gerade auf den Friedhof, um seinen neugeborenen, sogleich gestorbenen Sohn dorthin zu bringen. Er nahm das Kind der Königin mit sich und zog es wie sein eigenes auf. Da er so, entsprechend einer ihm einst zuteilgewordenen Prophezeiung, einen lebenden Sohn für einen toten erhalten hatte, nannte er den Knaben Jîvandhara (von Jîva, Leben). Jîvandhara wuchs zusammen mit Nandâdhya, einem später geborenen Sohne seines Pflegevaters, und anderen Jünglingen auf und gab frühzeitig Beweise außerordentlicher Klugheit und Kraft. Er bestand dann mancherlei Abenteuer und heiratete acht Jungfrauen, die ihm vom Schicksal bestimmt waren; eine jede von ihnen gewann er vermöge seiner Beherrschung einer anderen Kunst; die eine durch sein Lautenspiel, eine andere dadurch, daß er Elefanten zu bändigen verstand, eine dritte, indem er sie von der Vergiftung durch Schlangenbiß heilte usw. Bei seinen Taten unterstützte ihn ein Yaksha (Geist), der vorher ein Hund gewesen war, welchen er von ihn quälenden Knaben befreit hatte. Schließlich tötete er den bösen Kâshthângâraka und bestieg den väterlichen Thron. Nachdem er dann lange ruhmreich geherrscht, wurde er durch Mahâvîras Predigt der Weltentsagung gewonnen. Er übergab sein Reich seinem Sohne, wurde ein Kevalî und erlangte das Nirvâna.