Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t2.21
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t2.21
- Language
- German
c8.s2.t2.21
In allen den Werken der Erzählungsliteratur, von denen bisher die Rede gewesen war, steht der Inhalt im Mittelpunkte des Interesses. Das gilt nicht nur von den in Prosa abgefaßten Geschichten, sondern auch von denen in gebundener Form, ja sogar von den Kunstromanen. Wenn sich auch die Darstellung in manchen von ihnen zu dichterischem Schwunge erhebt, so ist es doch vorzugsweise die spannende Handlung, welche den Leser zur Lektüre veranlaßt, mag auch die oft allzu große Ausführlichkeit und das Sichverlieren in verwirrende Einzelheiten nicht dem Geschmack des europäischen Lesers zusagen. Daneben hat die Jaina-Literatur aber auch eine Reihe von Dichtungen hervorgebracht, bei welchen der Inhalt ganz zurücktritt hinter der Form. In ihnen soll jede Strophe ein in sich abgeschlossenes Ganzes darstellen; in jedem Verse versucht der Autor etwas Geistvolles und Außergewöhnliches zu sagen⁴⁶. Dieses Streben führte natürlich zu allerlei Künsteleien. Wie weit dieses Spiel des Geistes getrieben wurde, lehrt die Tatsache, daß zwei Jainadichter sogar die Aufgabe auf sich nahmen, an Kâlidâsas „Wolkenboten“ das Kunststück der „Strophenergänzung“ (Samasyâpûrana) durchzuführen, indem sie in einer jeden Strophe ihrer die Geschichte Arishtanemis bzw. Pârshvas behandelnden Epen eine Zeile aus Kâlidâsas Meghadûta verwandten und die anderen Verse hinzufügten. Ein noch erstaunlicheres Kunststück vollbrachte der Digambara Shrutakîrti (um 1125): in seinen „Râghavapândavîya“ ist jeder Vers einer doppelten Auslegung fähig und behandelt gleichzeitig den Stoff des Râmâyana und Mahâbhârata⁴⁷.
Linked texts (4)
- Mahābhārata — Vyāsa, Sanskrit
- Meghadūta — Kālidāsa, Sanskrit
- Dvisandhāna — Dhanañjaya, Sanskrit
- Vālmīkirāmāyaṇa — Vālmīki, Sanskrit