Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c9.s5.t2.82
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c9.s5.t2.82
- Language
- German
c9.s5.t2.82
Malli, der 19. Tîrthankara, stammte aus Mithilâ (Mathurâ), woselbst König Kumbha mit seiner Gattin Rakshitâ (Prabhâvatî) herrschte. Nach der Anschauung der Digambaras war Malli ein Mann wie alle anderen Tîrthankaras, und sein Leben spielte sich in denselben Formen ab wie das der übrigen. Die Shvetâmbaras hingegen, welche es für möglich halten, daß auch Frauen erlöst werden können, verehren in Malli den einzigen weiblichen Tîrthankara. Die Ursache des eigenartigen Umstandes, daß Malli als eine Frau auf die Welt kam, war nach ihnen folgende. Malli war in einer früheren Existenz ein König Mahâbala (Vaishramana). Zusammen mit mehreren Freunden hatte er der Welt entsagt und war Asket geworden. Um in einem späteren Leben wieder zusammen geboren zu werden, waren sie übereingekommen, sich stets in genau demselben Maße zu kasteien. Entgegen der Verabredung fastete Mahâbala aber etwas länger als seine Genossen und band dadurch, im Gegensatz zu ihnen, das die Würde eines Tîrthankara verleihende Karma. Der Trug (Mâyâ), den er seinen Freunden gegenüber geübt, mußte sich naturgemäß aber auch auswirken; er ließ ihn das Karma „Strî-veda“ hervorbringen, das die Wiedergeburt als Weib verursacht. So wurde er denn, nachdem er mit seinen Genossen im Götterhimmel Vaijayantî himmlische Wonnen genossen, auf Erden ein Weib. Da die Königin Prabhâvatî während ihrer Schwangerschaft das Gelüste gehabt hatte, auf Blumenkränzen (mâlya) zu ruhen, welchen Wunsch ihr die Götter erfüllten, wurde die neugeborene Tochter Malli genannt.