Die Religion des Veda c10.3
Die Religion des Veda c10.3
- Language
- German
c10.3
Was die Erzählungen von den Taten dieser Götter anlangt, so finden wir unter Geschichten sehr verschiedenartigen Charakters, neben historischen Erinnerungen, neben ernsten und auch schwankartig humoristischen Produktionen freier Phantasie als vornehmste Hauptstücke des Sagenbestandes alte Naturmythen wie den von der Gewitterschlacht, von der Erlangung der gefangenen roten Kühe, vermutungsweise der Morgenröte, von der Fahrt des Morgen- und Abendsterns mit der Sonnenfrau. Die Bedeutung solcher Mythen ist in der vedischen Zeit meist vergessen oder halbvergessen; sie haben sich in übermenschlich-heroische Aktionen verwandelt; das Bild ist oft zur unverständlichen Hieroglyphe geworden. Ganz überwiegend sind die Erzählungen auf Effekte grellster Art, auf elementarste Motive beschränkt: riesenhafte Krafttat und Erlangung herrlichster Güter, Überwindung, auch Überlistung sehr furchtbarer Feinde, Rettung aus größter Not, in zweiter Linie hier und da auch sinnliche Leidenschaft: kein Sichvertiefen in seelische Vorgänge, kein kunstreicher Aufbau verschlungener, von sinnvoller Folgerichtigkeit regierter Handlungen und Geschicke. Überall scheint noch der Stil der Erfindung durch, wie er den Naturvölkern eigen ist, die barocke Formlosigkeit und Willkür ungezügelter Einbildungskraft. Wo die alten Mythen mit der Zeit weitergelebt, modernere Motive in sich aufgenommen haben, ist es nicht der Tiefsinn ethischer Ideen, der sich in ihr Gewand hüllt, sondern unter mancherlei anderem vor allem die Prätentionen unverhüllter orientalischer Priesterbegehrlichkeit: man erinnere sich, wie der Geschichte von der Erlangung der Kühe die Wendung auf den Erfolg der kuhbegierigen Priester gegenüber den Geizhälsen, welche die Kühe für sich behalten wollen, gegeben ist.