Die Religion des Veda c10.4
Die Religion des Veda c10.4
- Language
- German
c10.4
Das Opfer, das den vedischen Göttern gebracht wird, ist das Opfer von Hirtenstämmen, die doch an mannigfachen Verfeinerungen einer keineswegs mehr jungen Kultur nicht arm sind. Noch fehlen die städtischen, von architektonischer Kunst geschmückten Kultzentra, aber die Opferhandlung, die sich um die heiligen Feuer und den Grasteppich den Sitz der Götter bewegt, ist doch vom Charakter primitiver Einfachheit weit entfernt. Sie ist kostspielig, überladen mit priesterlich ausgeklügeltem Zeremonienwesen, ausgestattet mit dem Schmuck einer liturgischen Poesie, in der unbehilfliche Unförmlichkeit und die ersten deutlichen Vorzeichen jener in der späteren indischen Dichtung so übermächtig hervortretenden üppig spitzfindigen Überkünstelung einen Bund geschlossen haben. Zahlreiche Priester sind tätig, die Götter in geschäftig redseliger Zudringlichkeit heranzulocken und sie in die gute Stimmung zu versetzen, in der sie dem Opferer Besitz und langes Leben verleihen, seine Feinde niederwerfen werden. Alles ist auf die konkreten Anliegen und Bedürfnisse irdischen Daseins gerichtet: der Kult ist das Mittel, dem Reichen und Vornehmen seinen Reichtum und seine Stellung zu sichern und zu mehren: nicht viel mehr als Anfänge sind davon vorhanden, daß das religiöse Wesen sich zu einer ethischen, den einzelnen und das Volk erziehenden Großmacht entwickelt hätte.