Die Religion des Veda c5.s3.1
Die Religion des Veda c5.s3.1
- Language
- German
c5.s3.1
Der dritte für unsere Untersuchungen wichtige Veda, der Atharvaveda¹), in der dichterischen Ausdrucksweise verglichen mit dem Ṛgveda zugleich gewandter und nachlässiger, setzt seinem Hauptinhalt nach die in den jüngsten Teilen jenes Veda (vgl. S. 7) anhebende Poesie der Zauberlieder sowie der zu den Gebräuchen des Familienlebens gehörigen Lieder und Verse fort²). Die im letzten Buch des Ṛgveda enthaltenen verhältnismäßig kurzen Verssammlungen für Hochzeit und Bestattung (S. 7) kehren hier zu größerem Umfang angewachsen wieder; ebenso fügt sich an die Zauberlieder des Ṛgveda — auch sie sind zum großen Teil hier wiederholt — eine ausgedehnte neue Literatur von Beschwörungen aller Art, Segenssprüchen für Mensch und Vieh, Bannungen von Krankheits- und anderen Dämonen, Abwehr feindlichen Zaubers u. dergl. mehr. Weiter kommen zum Teil umfangreiche Texte hinzu, die es nicht mit diesem sozusagen populären Zauber zu tun haben, sondern mit Neuerfindungen des priesterlichen Scharfsinns im Ausbau oder der Umgestaltung der großen Opfer zu Zauberhandlungen verschiedener Art; sodann in bedenklicher Häufigkeit Texte, die das im Ṛgveda nur hier und da vergleichsweise schüchtern berührte Thema von der Verdienstlichkeit frommer Gaben an die Priester sehr ausführlich variieren; man kann sagen, daß für die Anschauung des Atharvaveda der Schwerpunkt verdienstlichen Tuns sich geradezu vom Kultus der Götter auf die Beschenkung, Speisung, Ehrung der Brahmanen verschoben hat.
Linked texts (2)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Atharvavedasaṃhitā — Atharvan & Aṅgiras, Sanskrit