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Die Religion des Veda c6.s1.29

Die Religion des Veda c6.s1.29

Language
German

c6.s1.29

Wir stellten oben Indra, den Gewittergott, dem durch Agni, Sūrya, Uṣas vertretenen Typus insofern gegenüber, als ihm von vornherein eine stärkere Anthropomorphisierung eigen gewesen zu sein scheint. Wir müssen hier hinzufügen, daß auch in bezug auf die sekundäre Verdunklung der ursprünglichen Naturbedeutung der Indra des Ṛgveda sich von jenen Göttern unterscheidet und sich eher, wenigstens annähernd, Mitra oder den Aśvin vergleicht. Wir werden zeigen, daß Indras ursprüngliche Großtat, die Befreiung der himmlischen Wasser im Gewitter aus dem Verschluß des Wolkenberges, sich für die ṛgvedischen Dichter in die Befreiung der irdischen Flüsse aus dem Verschluß des Felsens, dem sie entspringen, umgesetzt hatte. Hier tritt also die Verdunklung des ursprünglichen Vorstellungskomplexes zunächst in der Form auf, daß sich an seine Stelle ein ebenso konkreter neuer Vorstellungskomplex schiebt, der mit jenem durch dieselben Worte ausdrückbar ist (Wasser = Regen oder Fluß; Berg = Wolke oder Berg): wobei, wie man sieht, teilweise vom metaphorischen Gebrauch des Worts zu seiner eigentlichen Bedeutung übergesprungen wird¹). Dann aber wirken auch hier, wie die alte Naturbedeutung Varuṇas hinter der ethischen zurücktritt und durch sie verdunkelt wird, die Züge, an die sich das religiöse Interesse besonders fest heftet, weiter dazu mit, den ursprünglichen Naturcharakter Indras verschwimmen zu lassen: der mächtige, Sieg und Reichtum spendende Held war es, an den sich die Gebete vor allem richteten, nicht der Gewitterer.

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