Die Religion des Veda c6.s1.32
Die Religion des Veda c6.s1.32
- Language
- German
c6.s1.32
Naturmythen. Anderweitige Elemente der Mythen. Es liegt im Gesagten, daß als Grundstock der vedischen Mythen Naturmythen zu erwarten sind: die in der Sprache des Mythus gegebene Beschreibung der Naturvorgänge, welche die Götter oder dämonischen Wesen vollbringen und erleiden¹). Durch alle Verdunklungen und Neubildungen hindurch ist eine Anzahl solcher Naturmythen mit Sicherheit oder doch mit größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit erkennbar geblieben: so Indras Sieg über Vṛtra d. h. das Gewitter; die Befreiung der eingeschlossenen Kühe d. h. vielleicht das Erscheinen der Morgenröte; die Herabkunft Agnis d. h. die Erzeugung irdischen Feuers durch den Blitz; die Genossenschaft oder Vermählung der Aśvin und der Sūryā d. h. vielleicht das verbundene Erscheinen von Morgenstern und Sonne. Solche Mythen werden kaum je besonders zahlreich gewesen sein. Sie sind ursprünglich sehr kurz: gewiß nicht weil die Übung des Vorstellens, die Fertigkeit des Erzählens für kompliziertere Begebenheiten nicht ausgereicht hätte, aber der von der Natur gelieferte Stoff enthielt eben nur wenig. Dafür pflegt diesen Mythen ein besonderes Schwergewicht und Beharrungsvermögen gegenüber dem schwankenden Bestande sonstiger Erzählungen eigen zu sein. Von wie vielen Taten Indras auch berichtet wurde, der Vṛtrasieg blieb immer die vornehmste.