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Die Religion des Veda c6.s1.45

Die Religion des Veda c6.s1.45

Language
German

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Unter den Geistern und Dämonen, mit denen der vedische Zauber sich beschäftigt, herrschen die schädlichen, die Krankheitsgeister und sonstigen Unheilstifter vor: vermutlich weil die großen Götter fast ausschließlich als gut und wohltätig gedacht sind und sie so die freundlichen Dämonen vielfach aus ihrer Sphäre der Tätigkeit verdrängt haben. Daß jene Unholde sich wenigstens zum Teil aus Seelen Verstorbener entwickelt haben, ist wahrscheinlich. Wir werden sehen, wie der altindische Glaube, der hierin älteste Glaubensformen fortsetzt, das Dasein der Lebenden von den Seelen der verstorbenen Freunde, aber auch der Feinde umgeben sein läßt: diese Seelen schweben bald unsichtbar in Nähe und Ferne umher, bald zeigen sie sich in gespenstischen, tierischen und verschiedensten anderen Bildungen und Mißbildungen; sie bringen den Lebenden, wie die den Seelenkult durchziehenden Vorsichtsmaßregeln beweisen, mannigfache Gefahr. Derselbe Prozeß des Verblassens alter und des Hinzutretens neuer Vorstellungen, welcher den Gewittergott Indra in den kriegerischen Vollbringer von Heldentaten, den Mondgott Varuna in den Erschauer und Bestrafer aller Sünden umgewandelt hat, konnte Seelen zu krankheitbringenden und ähnlichen Dämonen werden lassen, die dann im einzelnen selbstverständlich ihre Spezialitäten, die Beziehung auf diese oder jene Art meist schädlichen Wirkens herausbildeten. Wie sich bei vielen Völkern, z. B.

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den eng verwandten Iraniern¹), die konkrete Spur derartiger Entwicklungen verfolgen läßt, glaube ich, daß auch in Indien manches auf sie hinweist. Die spätere Literatur Indiens ist reich an Geschichten wie der in den „Zweiunddreißig Thronerzählungen“ von dem Mann, den seine Frau betrügt und der aus Kummer hierüber gestorben als böser Geist jede Nacht wiederkehrt sie zu peinigen²). Für die Gegenwart stellt Monier Williams¹) es als allgemeinen Glauben der Hindus fest, daß die Mehrzahl böser Geister verstorbene Menschen sind: hier spukt der Geist eines von einem Tiger getöteten Milchmanns, dort der Geist eines Töpfers, der Schrecken der ganzen Nachbarschaft, bei welchen Geistern natürlich im Lauf der Zeit leicht der Zusammenhang mit der Erinnerung an den und den Verstorbenen verloren gehen und die bloße Gestalt eines die Menschen peinigenden Unholds übrig bleiben kann. Schwerlich darf man derartigem Volksglauben das Recht, für Untersuchungen über die vedische Zeit Fingerzeige zu geben, in der Weise absprechen, daß man ihn unter die große Rubrik der Seelenwanderung stellt und ihn damit vom Zusammenhang wenigstens mit dem älteren vedischen Glauben abgeschnitten zu haben meint.

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Vermutlich wird sich immer deutlicher zeigen, daß die Seelenwanderungslehre nicht viel mehr ist als die systematisierende, schablonisierende, das einzelne ins Unabsehbare steigernde Verwertung von Elementen, die zwar für uns in der Tradition zurücktreten, aber darum doch so alt und älter sind wie indischer Glaube und indisches Volkstum überhaupt: und daß zu solchen Elementen eben auch die hier erwähnten Vorstellungen gehören, wird schon durch ihre weite Verbreitung in niedrigsten Kulturgebieten wahrscheinlich. Ganz fehlen direkte Spuren des Zusammenhangs verschiedenartiger Dämonen mit Seelen Verstorbener übrigens auch in der älteren Literatur nicht. In einem Zauberlied des Atharvaveda zur Vertreibung der Kobolde, die im Kuhstall und Wagenraum und die am Grunde des Hauses sitzen, wird zu diesen gesagt (II, 14, 5): „ob ihr von den festhaftenden Geistern seid oder von Menschen gesandt, oder ob ihr Kinder der Dasyus seid“ — also böse Geister vom Stamm der dunkelfarbigen Ureinwohner, was denn doch der Vorstellung von feindlichen Seelen nahe genug kommt. So werden auch im Totenkult „die Dasyus, die unter die Väter eingedrungen sind, die das Gesicht Verwandter angenommen haben“ vom Opfer abgewehrt¹) — feindliche Seelen, scheint es, die den Genuß der Opferspeise mit den befreundeten zusammen erschleichen wollen. Anderwärts ist direkt von „den Asuras, den Rakṣas, die unter den Vätern weilen“ die Rede²);

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ein Aufenthalt der bösen Geister, der vielfach im Kultus und den rituellen Sprüchen hervortritt³) und wohl als auf die Seelennatur dieser Geister oder doch vieler unter ihnen hinweisend gedeutet werden darf. So wohnen denn auch schon in der älteren buddhistischen Literatur unheimliche Geister aller Art mit Vorliebe auf Leichenäckern oder an Grabmälern⁴). Ein „Wünsche spendender Geist“ in einer buddhistischen Erzählung, der in einem Baum wohnt, sagt von sich selbst: „Ich bin kein Gott und kein Gandharve, auch nicht Indra der Burgenzerbrecher: wisse, daß ich ein Verstorbener bin, der von Bheruva hierhergekommen ist⁵).“ An einer anderen Stelle derselben Erzählungssammlung wird den Frommen der Rat erteilt, Gaben zu spenden „im Namen der früher Verstorbenen oder der am Ort hausenden Gottheiten (*vatthudevatā*)¹ — die letzteren Gottheiten werden also mit den Seelen, deren Los im Jenseits man durch fromme Gaben erleichtern kann, auf eine Linie gestellt.