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Die Religion des Veda c6.s2.44

Die Religion des Veda c6.s2.44

Language
German

c6.s2.44

¹ Nur in der Kürze sei hier der Theorie des vedischen „Henotheismus“ gedacht (M. Müller, Ursprung und Entwicklung der Religion 312 ff.; *Physical Religion* 180 ff.; von der anschließenden Literatur hebe ich hervor Hopkins in den *Class. Studies in honour of H. Drisler* 75 ff.), des „Glaubens an einzelne abwechselnd als höchste hervortretende Götter“. Der vedische Dichter lege — wenigstens in großen Schichten der Texte — jedem Gott, den er eben anruft, für den Augenblick alles bei, was von einem göttlichen Wesen gesagt werden kann; jeder sei der Reihe nach durchaus unabhängig, durchaus der höchste, durchaus göttlich. Ich kann mein Bedenken gegen diese Vorstellung von einem Versinken des Geistes der vedischen Sänger in den Glauben an wechselnde, jedesmal höchste und einzige Gottheiten nicht zurückhalten. Ich will nicht von den im Ṛgveda so häufigen Liedern an „alle Götter“ sprechen, in denen der Reihe nach sämtliche Hauptgottheiten und Scharen auch der kleineren gepriesen werden; ich weise nur darauf hin, daß die große Masse der vedischen Lieder für einen bestimmten rituellen Zweck gedichtet ist, für das Somaopfer, das schon damals in seinem weiten Rahmen die Verehrung ungefähr des ganzen alten Pantheon umfaßte. Die Dichter, die Indra oder Agni mit jenem scheinbar henotheistischen Versinken in die Anbetung immer des einen Gottes besangen, wußten als die erfahrenen Opfertechniker, die sie in der Tat waren, genau, an welche Stelle des Opfers, vor und hinter welche anderen Götter der gerade von ihnen verherrlichte Gott gehörte. Meines Erachtens erklären sich die Eigentümlichkeiten der vedischen Poesie, die den Schein des Henotheismus hervorrufen, einerseits aus jener oben charakterisierten Unbestimmtheit der Umrisse, die den vedischen Göttergestalten eigen ist, anderseits aus der begreiflichen Höflichkeit des Sängers oder Priesters gegenüber jedem der himmlischen Herren, mit dem zu reden er augenblicklich die Ehre hat.