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Die Religion des Veda c7.s2.177

Die Religion des Veda c7.s2.177

Language
German

c7.s2.177

Die göttliche Persönlichkeit, die Soma beigelegt wird, bleibt in freier Entfaltung menschengleichen Wesens merklich etwa hinter Indra oder Varuṇa zurück. Die greifbare Gegenwart des Gottes auf dem Opferplatz in Gestalt der Somapflanze und des Somatrankes setzte dem allzustarken Schalten der vermenschlichenden Phantasie Schranken. Die Dichter preisen Somas Weisheit und lichte Hoheit, aber sie sprechen nicht viel von menschengleicher Gestalt und menschengleichem Tun. Wo von seinen Heldentaten oder wunderbaren Werken die Rede ist, pflegen ihm Indras Taten beigelegt zu werden, zu denen er als Rauschtrank ihn begeistert hat, oder es sind jene farblosen Taten, die nahezu Gemeingut aller Götter sind: er hat die Erde ausgebreitet, den Himmel in seiner Höhe befestigt. Man preist ihn, daß er den Menschen erfreut und stärkt: „Wir haben Soma getrunken; unsterblich sind wir geworden. Wir sind zum Licht gedrungen und haben die Götter gefunden. Was kann uns jetzt Mißgunst anhaben, was die Bosheit, du Unsterblicher, des Sterblichen?“ (VIII, 48, 3). Und vollends gedenkt man zu unzähligen Malen des Soma als des Genossen und Begeisterers der Götter, von dessen Kraft erfüllt Indra seine ungeheuren Taten getan hat. Angerufen aber wird Soma selbst fast nur in jenen Liedern „an den sich Läuternden“, in den Zaubergesängen, die über dem das Wollensieb durchlaufenden Trank gesungen werden. Da preist man die Somagüsse, die sich in den Wald der hölzernen Kufe wie mächtige Büffel stürzen, sich darin niederlassen wie Vögel im Walde. Wie Rennpferde nach Ruhm verlangend über die Bahn jagen, wie Ströme in die Tiefe rinnen, wie Regenfluten sich über die Erde ergießen, eilen sie Indra zu. Soma kleidet sich in das Kuhgewand — die ihm beigemischte Milch —; er umhüllt sich mit Sonnenglanz und läßt selbst durch seine Kraft die Sonne erglänzen. Die Sänger singen schön geschmückte Lieder über ihn wie Mutterkühe dem Kalbe zubrüllen. Ein formloses Gewirr von Bildern und mystischen Phantasmen. Wie anders als die Poesie, die Griechenland dem dionysischen Rauschtrank und seinem Gott gewidmet hat! Hier die Dumpfheit des von rituellem Geheimniswerk umgebenen feierlich frommen Zauberrausches, dort das unwiderstehliche, schönheitverklärte Sichlösen aller Tiefen der weinbegeisterten, gottbegeisterten Seele. —

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