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Die Religion des Veda c7.s2.178

Die Religion des Veda c7.s2.178

Language
German

c7.s2.178

Wir müssen schließlich hier auf eine schon erwähnte Vorstellung zurückkommen, die mit Sicherheit zuerst in jungen Teilen des Ṛgveda nachzuweisen ist: die Identifikation des Soma mit dem Monde¹. Schon oben (S. 171) wurde berührt, daß eine solche Vorstellung über den himmlischen Sitz des Göttertrankes uralt gewesen sein kann. In der großen Hauptmasse der ṛgvedischen Lieder scheinen doch ihre Spuren entweder ganz zu fehlen oder nur von nebensächlicher Bedeutung zu sein¹). Unter der kaum übersehbaren Menge jener Phantasiespiele, die in den Somaliedern um die Vorstellung des vergöttlichten Trankes gehäuft werden, findet sich manches, was auf Verkörperung des Soma im Monde gedeutet werden kann, aber daß diese Deutung jedesmal eben nur möglich ist, vermindert ihre Wahrscheinlichkeit. Ich glaube eher, daß es sich da in der Tat um Zusammenhänge anderer Art handelt. Sehr häufig wird der Soma in Beziehung zu den Vorstellungen von Himmel, Licht, Sonne gesetzt. Er hat die Sonne aufgehen lassen, leuchtet wie die Sonne, läutert sich am Himmel, blickt vom Himmel herab, wehrt durch sein Licht das Dunkel ab: wo da über den allgemeinen Vorstellungskreis von Licht und Himmel hinaus eine Hindeutung auf ein bestimmtes Himmelslicht vorliegt, ist es die Sonne, zu welcher der Soma in mystische Beziehung gebracht wird. Diese Beziehung beruht wohl vornehmlich darauf, daß wie Indra, wie Agni, so auch dieser Gott ein Kämpe des Lichts gegen die Finsternis ist; der höchste Ausdruck aber des Lichts ist die Sonne. Und Indra begeisternd hat ja Soma an dessen Krafttat, der Gewinnung der Sonne, teilgenommen. Wo aber diese Beziehung zur Sonne oder auch die oft berührte uralte Vorstellung von der himmlischen Heimat des Göttertranks in unbestimmter Allgemeinheit ausgedrückt wurde — wie so oft im Veda geschehen ist —, konnten sich leicht Wendungen ergeben, die, wenn man sie mit dem Gedanken an die im späteren Glauben hervortretende Gleichung Soma = Mond betrachtet, die Deutung auf den andern großen Lichtträger möglich scheinen lassen.