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Die Religion des Veda c7.s3.64

Die Religion des Veda c7.s3.64

Language
German

c7.s3.64

Besonders aber tritt unter den Gebieten, auf denen sich das Ṛta manifestiert, der Kultus hervor. Man gibt, scheint mir, dem Gedanken eine zu enge Wendung, wenn man das Ṛta in dieser Beziehung nur als den technisch korrekten Gang der Kultusvollziehung versteht. Vielmehr spielt die Vorstellung mit, daß im Opfervorgang die großen Ordnungen des Weltganzen leben. Wie dem Ṛta gehorchend die Flüsse strömen, die Morgenröten zu ihrer Zeit wiederkehren, so geschieht es auch „unter des Ṛta Anschirrung“, daß Agni zum Opfer entflammt wird, „der Sproß des Ṛta“, „der mit dem Ṛta sein Werk tut“; „auf des Ṛta Pfad“ bringt er den Göttern die Opferspeise. Und zugleich wird das Opfer auch von der moralischen Seite des Ṛtabegriffs berührt, insofern es im Gegensatz zu den Ränken der mit bösen Geistern verbündeten Zauberei als Verkörperung des Wahren und Rechten dasteht. Die Väter haben die Satzung des Opfers erfunden, „das Ṛta kündend, das Rechte (*ṛju*) denkend“. „Die Götter ruf’ ich rein von Zauber; mit dem Ṛta tue ich mein Werk, schaffe ich mein Denken.“ Wenn das Gewicht, das im Veda auf diese Beziehungen des Ṛta zum Opfer fällt, unverhältnismäßig bedeutend scheinen kann, müssen wir eben im Auge behalten, daß hier durchweg Priester von ihrem priesterlichen Werk reden, welches für sie im Mittelpunkt alles Denkens und Tuns steht; in der Tat wird es doch dabei zu bleiben haben, daß das Wesentliche in der Idee des Ṛta die Vorstellung der physischen und moralischen Weltordnung ist, die sakrifikale Bedeutung des Ṛta aber darauf beruht, daß die Sphäre des Kultus als besonders mächtig von den Strömungen dieser Weltordnung durchdrungen erschien und erscheinen mußte.