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Die Religion des Veda c7.s3.86

Die Religion des Veda c7.s3.86

Language
German

c7.s3.86

Aditi ist ein personifizierter Begriff. Ihr Name bedeutet „Nichtgebundenheit“³), wir dürfen einfacher übersetzen „Freiheit“. Dem Menschen drohen die Fesseln von Schuld und Leiden; die Ādityas sind es vor allem, die diese Fesseln regieren und zu denen man um Befreiung von ihnen betet: so konnte als Mutter der Ādityas eine Göttin vorgestellt werden, die das von allen Fesseln gelöste Dasein darstellt und verleiht, zu welcher der Gefesselte spricht: „Wer soll uns der großen Aditi wiedergeben, daß ich Vater und Mutter schauen möge?“ (I, 24, 1)¹. So wird Aditi mit anderen befreienden, schuldtilgenden Gottheiten zusammen angerufen: „Agni, durch diese Verehrung entflammt, sprich du für uns zu Mitra, Varuṇa, Indra. Die Sünde, die wir begangen haben, darüber erbarme dich; die mögen Aryaman und Aditi von uns ablösen.“ „Erlöst ihr uns aus der Wölfe Rachen, ihr Ādityas, wie einen gefesselten Dieb, o Aditi.“ „Die oberste Fessel, Varuṇa, hebe auf von uns; laß die unterste fallen, löse die mittelste ab, und laß uns, Āditya, in deinem Gebot schuldlos vor Aditi sein“²). Wenn dem getöteten Opfertier der Strick abgenommen wird, mit dem es gebunden war, spricht man: „Aditi soll diese Fessel lösen“³). Es fällt in die Augen, daß die Göttin da überall genau in der Ideenverbindung steht, auf die ihr Name hinweist. Den so sich aufdrängenden Schluß über ihr Wesen zu beanstanden haben wir nicht den mindesten Grund. Aus diesem Wesen erklärt es sich, daß man besonders häufig der Vorstellung der Schuldlosigkeit im Zusammenhang mit Aditi begegnet: „Schuldlosigkeit möge uns Aditi schaffen“ — „Mitra und Aditi, Gott Savitar möge uns als schuldlos dem Varuṇa künden“; an einer Stelle lesen wir: „in Schuldlosigkeit, in Aditischaft“ (VII, 51, 1) oder vielleicht besser „in Schuldlosigkeit, in Freiheit von Banden“ — wo aber in dem Ausdruck für Freiheit die Anspielung auf den Namen der Göttin nicht überhört werden kann. Weiter¹ finden wir Aditi als Erlöserin aus Bedrängnis (*aṃhas*), als Führerin ins Weite, als Herrin weiter Fluren, weiter Hürden, als die weitumfassende, als waltend über dem Los der Unversehrtheit (*sarvatāti*): überall tritt der Gegensatz zur Gebundenheit in Schuld und Leiden, der das eigentliche Wesen der Göttin ausmacht, deutlich hervor.

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