Die Religion des Veda c7.s5.32
Die Religion des Veda c7.s5.32
- Language
- German
c7.s5.32
Fragen wir, wo der Ausgangs- und Kernpunkt der ganzen Konzeption liegt, so möchte ich die hergebrachte Deutung dieses Gottes als Sturmgott für wenig wahrscheinlich halten. Die Physiognomie Rudras ist eine durchaus andere; von den Zügen, die zum Bild eines Sturmgottes unvermeidlich gehören, zeigt sich an ihm nichts, außer etwa in ganz gelegentlichem, vereinzeltem Auftreten, irrelevant für die Frage nach seinem Wesen⁶). Es ist wahr, daß er Vater der Maruts heißt und daß diese infolge davon als Rudras benannt werden, aber — um davon abzusehen, daß das Wesen der Maruts ihrerseits als Sturmgötter nicht vollkommen feststeht — das beweist nicht, daß er eine Personifikation derselben Naturerscheinung ist wie die Maruts, deren Charakter und Auftreten in der Tat von dem Rudras durchaus verschieden ist. „Keiner kennt ihre Geburt,“ wird von den Maruts gesagt (VII, 56, 2): so mag, wenn man sie Kinder des Rudra nennt, dies aus der Vorstellung fließen, daß sie aus derselben rätselhaften Ferne ebenso plötzlich zu den Wohnungen der Menschen herangestürmt kommen, wie Rudra mit seinen krankheitbringenden Geschossen. Und wenn der Wind Rudras Pfeil heißt, wenn er selbst im „Hundertrudrakapitel“¹ als Herr des Regens, der Wolken, der Blitze, der Winde benannt wird, so verlieren solche Äußerungen ihre Bedeutung dadurch, daß sie inmitten zahlloser anderer stehen, die den Gott ganz ebenso mit den verschiedensten anderen Naturphänomenen in Verbindung bringen.
Linked texts (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit