Die Religion des Veda c7.s6.69
Die Religion des Veda c7.s6.69
- Language
- German
c7.s6.69
Göttinnen. Göttliche Frauen und Mädchen nehmen im vedischen Glauben an der Lenkung der Welt und der Geschicke nur geringen Anteil. Wohl hatten von alters her Erscheinungen, die mit der Vorstellung weiblichen Reizes und vor allem mütterlicher Fruchtbarkeit verknüpft waren¹), zu göttlich-weiblichen Personifikationen geführt wie der Morgenröte, der Mutter Erde, Flußgöttinnen, Wassernymphen usw.²), aber für das Ganze des Glaubens und Kultus stehen diese Göttinnen doch im Hintergrund. Wie es der geschichtlichen Stellung der vedischen Religion entspricht, sind ihre Gestalten vom Charakter heiliger Prüderie noch völlig unberührt. Die Morgenröte, die der Welt ihren rosigen Glanz zeigt, ist ein schönes Mädchen, das seine Reize gefällig enthüllend den Männern entgegengeht. Die Wassernymphen, mit Schönheit wie mit Fruchtbarkeit gleich gesegnet, sind reich an mannigfaltigen Liebesabenteuern. Aber die unbefangene Natürlichkeit solcher Vorstellungen hat nichts von jener Atmosphäre schwüler und raffinierter Sinnlichkeit an sich, die etwa die Gestalt einer Astarte umgab: so wie dem vedischen Kultus, der an Momenten zotiger Derbheit in Wort und Tat nichts weniger als arm war, doch die semitische Verquickung von Heiligtum und Bordell fremd geblieben ist.