Die Religion des Veda c7.s9.3
Die Religion des Veda c7.s9.3
- Language
- German
c7.s9.3
Bei einem siegreich vordringenden, in Fülle lebenden Volk, insonderheit unter dessen herrschenden Klassen, mußte optimistische Auffassung des Weltlaufs vorwalten, ein Glaube, der in den vornehmsten Mächten des Universums segenbringende Freunde sieht. Dieser freundliche Charakter überwiegt unter den Göttern des vedischen Pantheon in der Tat durchaus. Zwar kommt vielerlei Ungemach auch von überirdischen Mächten, aber es ist im ganzen nur das Heer der kleineren Dämonen, der Kobolde, Krankheitsgeister u. dgl., auf die solcher Schaden zurückgeführt wird, dem entsprechend, daß Krankheiten und Plagen sich dem Augenschein nicht als von den großen, regelmäßig waltenden Naturwesenheiten abhängig darstellen, sondern von der unberechenbaren Tücke vereinzelt wirkender Schadenstifter, so daß sich hier der uralte Typus kleiner schädlicher Dämonen im ganzen unverändert erhalten kann. Die vornehmsten allüberragenden Mächte der Natur aber, wie Sonne, Feuer, Gewitter geben die sichtbaren Grundlagen glücklichen menschlichen Daseins ab: so ist es unter den großen Göttern des Veda nur ein einziger, bei dem schädliche Natur in den Vordergrund tritt, Rudra. Andere feindliche Wesen wie Vṛtra, der mißgünstige Hemmer der Wasserströme, groß genug, um Indra als ebenbürtiger Gegner gegenüberzustehen und die Götter mit seinem Schnauben fliehen zu machen, werden als überwunden, als vernichtet vorgestellt und tragen so dazu bei, die Vorstellung von der heilbringenden Macht der Götter, die solches Übel ausgerottet haben, noch zu steigern.