Pramāṇa · Search · About · API

Die Religion des Veda c7.s9.4

Die Religion des Veda c7.s9.4

Language
German

c7.s9.4

Die wohlwollende Natur eines Gottes wie Indra ist selbstverständlich durchaus gedacht im Sinn und in den Grenzen menschlichen Wohlwollens, das Gegenseitigkeit verlangt und auch von Wechsel und Willkürlichkeit nicht unberührt ist¹). Indra ist Freund des Opfernden, des Somapressers, aber den Geizigen, der nicht opfert, tötet er und vernichtet sein Hab und Gut. Er ist so wenig wie die homerischen Götter darüber erhaben, den Sterblichen etwa wenn seine Sinnlichkeit ihn reizt — natürlich ist er dieser so gut unterworfen wie starkem Durst und gelegentlich den Folgen zu kräftigen Zechens — mit Lug und Trug übel mitzuspielen²). Er ist leicht erzürnt; er schwankt unbeständig in seiner Freundschaft. „Wer will ihn also preisen, also ihm spenden und opfern, daß der Gnädige ihn immerdar segne und ihn gewaltig mache? Wie man die Füße vorwärts setzt, den einen nach dem anderen, macht er mit seiner Kunst den Letzten zum Ersten. Er ist berühmt als der Held, der die Gewaltigen bändigt einen nach dem anderen, der einen nach dem anderen voranführt. Dem es wohl geht, den haßt er, beider Welten König; die Gauen der Menschen rafft Indra an sich. Der einen Freundschaft wirft er weg; mit den anderen geht er in wechselndem Drang. Abschüttelnd was ihm nicht folgt dringt Indra vorwärts durch viele Herbste“ (VI, 47, 15—17). Auf das Wort von Indras „Haß wider den, dem es wohl geht“ sollte man übrigens schwerlich besonderes Gewicht legen. Sonst pflegt gesagt zu werden, daß Indra den Übermütigen, den Gottlosen, den reichen Geizigen niederwirft; hier versteigt sich der Dichter, den die Unsicherheit menschlichen Glücks gegenüber der mit den Geschicken spielenden göttlichen Macht beschäftigt, zu jenem Ausdruck vom Haß des Gottes gegen den Glücklichen: ein Wort, das, vereinzelt wie es dasteht, kaum hinreichen wird, dem Gedanken vom „Neide der Götter“ eine Stelle im vedischen Weltbild zu sichern.

Linked texts (1)