Die Religion des Veda c7.s9.43
Die Religion des Veda c7.s9.43
- Language
- German
c7.s9.43
Man würde freilich die Vielfältigkeit der im Veda nebeneinander hergehenden Strömungen verkennen, wollte man glauben, daß in den Formen so äußerlichen Sühnzaubers und Sühnopferwesens sich die Stellung des altindischen religiösen Denkens zur Idee der Schuld vollständig und erschöpfend ausgedrückt habe. Es fehlt doch nicht an Äußerungen der geistlichen Dichter, in denen die Sprache der schuldgequälten Seele ernst und aus der Tiefe dringend zu hören ist. Solche Äußerungen pflegen sich nicht auf die durch Zauber oder durch die Aktion eines hilfreichen Gottes bewirkte Entfernung der unpersönlichen Sündsubstanz zu beziehen, sondern auf die Versöhnung des sündenstrafenden göttlichen Zorns; und so werden wir darauf geführt, von einer zweiten Seite der Sündvorstellung zu sprechen, die Schuld, die wir bisher als eine durch ihre eigene Kraft wirkende Wesenheit vorgestellt fanden, nun in ihrer Verbindung mit göttlichem Zorn, göttlichem Eintreten für die Aufrechterhaltung der sittlichen Ordnung zu betrachten²).