Die Religion des Veda c7.s9.69
Die Religion des Veda c7.s9.69
- Language
- German
c7.s9.69
Wie der Gott, der die Listen der Bösen mit seiner höheren List überwindet, so wird in diesem Liede der Mensch, den nicht das Schuldbewußtsein an sich, sondern die Furcht vor göttlicher Strafe zur Buße treibt, gewogen mit den Gewichten moderner Tugendlichkeit gewiß zu leicht befunden werden. Kann es den Historiker überraschen, wenn die altersgrauen Gebete des Veda nicht in vollem Einklang mit dem heutigen ethischen Geschmack stehen? In gemessener, würdiger Gefaßtheit tritt doch der Büßende vor den Gott. Da ist kein leidenschaftlicher Ausbruch von Schmerz und Angst; die Sprache, die er spricht, ist ruhig, fast kühl. Aber der Ernst des Bewußtseins, daß der göttliche Wächter des Rechts die Sünde verfolgt, und zugleich das Vertrauen auf dessen verzeihende Gnade gegenüber dem Bußfertigen hat sich doch hier einen Ausdruck geschaffen, dessen einfache und tiefe Beredsamkeit, selten in der Poesie des Veda, auch heute noch empfunden werden wird und dies Lied wohl als einen der Höhepunkte im Reich jener religiösen Dichtung erscheinen lassen mag. —