Die Religion des Veda c7.s9.70
Die Religion des Veda c7.s9.70
- Language
- German
c7.s9.70
Varuṇa, die Ādityas sind die entschiedensten, aber natürlich nicht die einzigen Rechtsschützer und Sündenbestrafer. Dem Bedürfnis des Glaubens, die Welt des Rechts mit der Götterwelt verknüpft zu sehen, bot sich neben ihnen besonders die Gestalt Agnis dar¹). Die Tatsache wurde schon oben (S. 199) berührt und ihre naheliegenden Ursachen bezeichnet. An Agni werden Anrufungen gerichtet, die denen an Varuṇa ganz ähnlich sind. Man bittet ihn, die Schuld gutzumachen, nicht fremde Schuld den Beter büßen zu lassen, die Fesseln der Sünde abzulösen, damit man vor Aditi schuldlos dastehe. Der Unterschied zwischen solchen Gebeten und denen an Varuṇa ist zunächst, daß in den Agnihymnen jene zwischen anderen Anrufungen aller Art weniger hervortreten, während sie den Hauptinhalt der Varuṇalieder bilden. Aber auch davon abgesehen drückt sich die besondere Natur Agnis in einigen speziellen Nuancen aus. Varuṇa ist der höchste, Agni der den Menschen nächste Durchschauer von Recht und Unrecht und als solcher der natürliche Vermittler zwischen menschlicher Gerechtigkeit, menschlicher Schuld und den göttlichen Richtern: zunächst indem er den oberen Göttern Bericht über die Menschen erstattet, sodann indem er, der Menschen treuer, durch täglichen Verkehr mit ihnen verwachsener Freund, sich bei den Göttern für sie verwendet. „Wie wirst du, Agni, uns vor Varuṇa, wie vor dem Himmel schelten? Welche unserer Sünden? Wie wirst du zum gnädigen Mitra, zur Erde sprechen? Was wirst du Aryaman, was Bhaga sagen?“²). „Du, Agni, wende kundig des Gottes Varuṇa Zorn von uns ab ... Sei uns, Agni, der nächste mit deiner Hilfe, ganz nahe beim Aufleuchten dieser Morgenröte. Reich an Gnaden opfere uns den Varuṇa hinweg. Komm herbei zum Erbarmen. Laß dich von uns rufen.“ „Er behüte uns vor Varuṇas Trug, vor des großen Gottes Trug“ ¹).