Die Religion des Veda c7.s9.8
Die Religion des Veda c7.s9.8
- Language
- German
c7.s9.8
Eine Ausnahme bildet das Verhältnis zu Rudra¹), der mit seinem Bogen die Pfeile verheerender Seuchen über Menschen und Vieh ausschüttet; bei ihm ragt die Welt der schadenden Mächte, sonst auf die Region der niederen Dämonen beschränkt, in die der großen Götter hinein. Der Rudrakult steht, was die Vorsichtsmaßregeln des Opfernden gegenüber dem gefährlichen Gott anlangt, mit dem der bösen Dämonen und der Toten auf einer Linie¹. Der Ton der an ihn gerichteten Lieder unterscheidet sich nicht ganz dem entsprechend von den Anrufungen an wohltätige Gottheiten. Es ist ja natürlich, daß die Furcht vor einem unheimlichen Gott sich nicht so deutlich in dem ausdrückt, was man zu ihm sagt, wie in dem, was man ihm gegenüber tut, und es fehlen Rudra, dem Heiler derselben Krankheiten, die er sendet, auch nicht wohltätige Eigenschaften, die zu preisen dem Dichter nahelag. Immerhin tritt auch in den Hymnen die gefährliche Natur des Gottes auf Schritt und Tritt hervor. Man bittet ihn, nicht Groß noch Klein, nicht Vater noch Mutter, nicht das eigene Leben, nicht Rinder noch Rosse zu treffen; seine Heerscharen mögen andere niederwerfen; er ist furchtbar wie ein wildes Tier. Es kann ein Versehen sein, das seinen Zorn reizt, ungeschickte oder zur unrechten Zeit ihm dargebrachte Anrufung, wenn er durch andere Opferer in Beschlag genommen ist². Aber im ganzen klingen die an ihn gerichteten Bitten um Schonung so, als ob man sich auch ohne Veranlassung, vollends ohne ernstliches Verschulden, seiner Angriffe gewärtig gefühlt hätte.