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Die Religion des Veda c8.s10.83

Die Religion des Veda c8.s10.83

Language
German

c8.s10.83

Gesamtbild des Somaopfers. Die Texte, die das Somaopfer behandeln, stellen uns in der Überfülle ihrer Details das Treiben an der Stätte eines solchen Opfers anschaulich vor Augen, und wenigstens den Hauptzügen nach dürfen wir dies Bild gewiß auch in die Zeit des Ṛgveda zurückverlegen. Ein Gedränge priesterlicher und weltlicher Zuschauer ist zusammengeströmt ²). Auf der ebenen Fläche des Opferplatzes, der höchstgelegenen der Umgebung, baumlos, aber reich an Graswuchs, brennen die drei Feuer mit Opfergras umstreut ³). Zwischen ihnen, am nächsten dem östlichen für die Darbringungen bestimmten, liegt die durch Ausgraben vertiefte, grasbestreute Fläche der Vedi, ein längliches Viereck mit eingeschweiften Seiten. Hier und dort sieht man allerhand Schuppen, die Pfosten, an welche die Opfertiere gebunden werden, die Sitze und Feueraltäre der einzelnen Priester, Gefäße für Sprengwasser und Weihwasser aller Art, die Preßgerätschaften, Kübel und Schalen für den Soma. Dazwischen die Menge der still oder mit gemurmelten Sprüchen ihre Verrichtungen treibenden Priester, denen Diener und Nebenpersonen aller Art zur Seite stehen; der Opferherr selbst mit seiner Gattin, abgemagert von den Entbehrungen der vorbereitenden Weihen. Die Handlung, der durch viele Tage die verschiedensten Zurüstungen vorangegangen sind, beginnt in erster Morgenfrühe mit der Litanei an die frühwandelnden Gottheiten. Bald ist man mit der Bereitung und Darbringung von Opferkuchen beschäftigt, bald mit dem Opfer des Ziegenbocks an Agni oder der elf Opfertiere an verschiedene Gottheiten, bald mit dem Pressen der Somapflanzen, der Reinigung des gewonnenen Tranks, mit mancherlei Mischungen, Hin- und Hergießen in verschiedene Gefäße, Spenden des Soma an die Götter und Genuß des den Priestern zukommenden Anteils. Dazwischen gibt es Befehle des einen Priesters an den anderen, gegenseitige Zurufe, Sichanfassen, Reverenzen vor den Feueraltären, weihende Berührung von Gefäßen oder des eigenen Körpers, Austeilung von Geschenken des Opfernden an die Priester — von Rindern, Rossen, Gold, Kleidern. Die Reinigung des heiligen Tranks durch das Sieb von Schafhaar wird begleitet vom eintönigen, in wenigen Noten sich bewegenden Gesang der drei priesterlichen Sänger, die dasitzen, den Blick unverwandt geradeaus auf den Horizont gerichtet. Sitzend tragen auch die rezitierenden Priester vor, denen der Adhvaryu, der vornehmste Verrichter der eigentlichen Opferhandlungen, oder ein Gehilfe des Adhvaryu gegenübersitzend mit feierlichem Zuruf respondiert — jene Rezitationen, in denen unter stereotypen Wendungen und gekünsteltem Spiel mit Rätseln und Geheimnissen mancher Gedanke voll sinniger Poesie, manches Wort voll kühner Schönheit hervorleuchtet, gerichtet an die unsichtbaren Zuhörer, die auf der Opferstreu sitzend gedacht werden: die Scharen der Götter samt den Götterfrauen, vor allem Gott Indra, der mit seinem Falbengespann herbeigekommen ist, ungehemmt durch die Anrufung anderer Opferer, sich an dem ihm winkenden Rauschtrank gütlich zu tun. So ziehen sich die Handlungen und Vorträge den Tag über nach der dreiteiligen Reihenfolge der Morgenpressung, der Mittags- und der dritten Pressung hin: bunt durcheinander Anrufungen an Götter, die Neuschöpfungen des indischen Geistes sind, und an solche, die der Vergangenheit des indoiranischen oder indoeuropäischen Volkslebens entstammen — dazu auf der einen Seite, wenigstens in dem Bild, das die jüngeren Texte geben, darüber gelagert die Vorstellungen einer vergleichsweise modernen, Natur und menschliche Person rationalistisch betrachtenden Denkweise, auf der anderen Seite hinter allem erscheinend Ältestes, Zaubervorstellungen und Zauberhandlungen, bei denen der rohe Stempel fernster, wilder Vorzeit noch nicht vollkommen verlöscht ist.