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Die Religion des Veda c8.s2.19

Die Religion des Veda c8.s2.19

Language
German

c8.s2.19

So wirken Feuer und Wasser als schuldentfernende Mächte — das Wasser bald waschend, bald wegschwemmend. Andere Stellen des Atharvaveda lassen die Schuld und ihre Folgen durch Heilkräuter (VIII, 7, 3; X, 1, 12) oder Amulette (X, 3, 8) oder Zaubersprüche (V, 30, 4) vernichtet oder entfernt werden; sie wird weggetrieben (*apa-sū* VI, 119, 3), weggewischt (V, 30, 4) mit Hilfe der Pflanze Apāmārga („Wegwischung“)³), vor allem dadurch beseitigt, daß ein Gott — besonders Agni⁴) — von ihr löst, reinigt, sie wegwischt. Sozusagen als Korrelat solcher Reinigungsgebräuche gibt es dann Observanzen, deren Sinn offenbar ist, die Unreinheit des nicht Gereinigten scharf hervorzuheben. Der Mörder trägt den Schädel des Ermordeten wie eine Flagge; er trinkt aus dem Schädel; er trägt eine Eselshaut oder Hundehaut, die ihn jedem Begegnenden als schuldbeladen kennzeichnet; er lebt von Almosen, die er unter Namhaftmachung des auf ihm ruhenden Fluchs erbettelt hat⁵). Der Schüler, der die Pflicht der Keuschheit verletzt hat, trägt eine Eselshaut und lebt von Almosen, indem er seine Tat verkündet¹). Wer ein Vergehen gegen sein Weib begangen hat, trägt gleichfalls eine Eselshaut und lebt von Almosen, die er mit den Worten erbettelt: „Ein Almosen für den, der wider sein Weib gesündigt hat“²). Es scheint, daß bei diesen Vorschriften zum Teil die Rücksicht auf dritte Personen im Spiel ist, die davor gewarnt werden, sich mit dem Schuldbeladenen einzulassen³). Daneben aber vermute ich noch eine andere Bedeutung. Die Schuld, die vielleicht später gesühnt sein wird, hat zunächst Anspruch darauf, die Person des Schuldigen ganz in Besitz zu nehmen: diese Besitznahme findet in jenen Observanzen ihren sichtbaren Ausdruck⁴).

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