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Die Religion des Veda c8.s6.117

Die Religion des Veda c8.s6.117

Language
German

c8.s6.117

Deutliche Spuren aber scheinen darauf zu führen, daß man dies Priestertum in ältester Zeit noch nicht kannte. Vor allem das Fehlen des Brahman in der oben (S. 384) besprochenen Priesterliste, dazu auch — was für sich allein freilich nicht von Gewicht wäre — das Fehlen aller irgendwie sicheren Erwähnungen im Ṛgveda¹). Was noch jene Liste anlangt, so ist genauer ausgedrückt die Sachlage die — und hierdurch wird, scheint mir, die Beweiskraft noch verstärkt —, daß in der Tat darin ein Priester mit dem Namen des Brahman erscheint: dieser entspricht aber nachweislich nicht dem Brahman des späteren Rituals, sondern einem anderen, mit Rezitationen überwiegend zu Ehren des Indra beschäftigten Priester, dem Brāhmaṇācchaṃsin ¹). Kennen wir so für die ältere Zeit die Bezeichnung Brahman in anderer technischer Verwendung, wird sie damals in ihrem späteren Sinn offenbar noch nicht existiert haben. Endlich weist auf relativ junge Herkunft dieses Priestertums auch die glaubwürdig aussehende Überlieferung ²) hin, nach der einst nur ein Angehöriger des Vasiṣṭhageschlechts Brahman sein konnte; eine gewisse Litanei, die zu dem wenigen gehört, was der Brahman beim Opfer zu sprechen hat, soll einst den Vasiṣṭhiden allein bekannt gewesen und, wie sich die Legende natürlich ausdrückt, dem Vasiṣṭha offenbart worden sein. Man sieht, daß es sich um eine von der priesterlichen Praxis eines einzelnen Geschlechts ausgehende Neuerung handelt — eine Neuerung jungen Datums, wenn wir das recht moderne Aussehen jener Litanei zum Maßstab nehmen dürfen —, die dann allgemein durchgedrungen ist, begünstigt offenbar von derselben Tendenz, der sie auch ihre Entstehung verdanken wird, der immer ängstlicher werdenden Sorgfalt für die peinliche Korrektheit aller kleinsten Minutien, von denen der Erfolg des Opfers abhängig geglaubt wurde ³).