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Die Religion des Veda c8.s7.30

Die Religion des Veda c8.s7.30

Language
German

c8.s7.30

Es befremdet allerdings, daß diese in den Brāhmaṇa-texten durchgehend herrschende Auffassung der Dīkṣā nicht auch in den Sprüchen selbst zum Ausdruck kommt, mit denen sie vollzogen wird. Trotzdem, scheint mir, besteht sie zu Recht. Denn sie stimmt auf das genaueste zu den Anschauungen und Gebräuchen, in denen niedere Kulturen über die Erde hin das Aufsteigen des Menschen in einen anderen, höheren Zustand darstellen. Ein solches Aufsteigen aber erlebt der Dīkṣita: „Zu den Göttern wahrlich wendet sich hin, wer die Dīkṣā vollzieht; er wird einer der Götter,“ sagt ein Brāhmaṇa¹). „Man muß sich klar machen, daß das ursprüngliche Denken der Menschen die Vorstellung der Entwicklung nicht kennt, sondern sowohl natürliche Wandlungsprozesse als religiöse Umgestaltung, etwa ein ‚Bekehren‘ irgendwelcher Art als einen einmaligen Akt der Verwandlung des Menschen, der Entstehung eines neuen Menschen auffaßt … Der eine Mensch stirbt, der andere wird geboren“²). Das typische Aussehen der allverbreiteten, als Wiedergeburt sich darstellenden Weihungsgebräuche läßt vermuten, daß auch zur Dīkṣā als erster Akt einst eine Darstellung des Todes des alten Menschen gehört haben wird. Daß die verloren gegangen, ist kaum verwunderlich¹). In dem aber, was sich erhalten hat, scheinen Spuren des Geburtsmotivs doch erkennbar. So am sichtbarsten, der oben angeführten Brāhmaṇastelle entsprechend, die zu Fäusten geschlossenen Hände²). Vielleicht erklärt sich so auch — wenn man Verschiebung der Vorstellung vom Embryo zum kleinen Kind annimmt — die stammelnde Sprache, die der Dīkṣita redet³). —