Die Religion des Veda c9.s2.69.1
Die Religion des Veda c9.s2.69.1
- Language
- German
c9.s2.69.1
kann ich dich nicht fassen und umarmen.“ „Ja — so sprach jener —, ein Brahmane des Sāman kundig hat mir das Sāman gesungen; der hat durch das körperlose Sāman die Körperlichkeit von mir abgeschüttelt. Für wen ein Sāman-kenner das Sāman singt, den läßt er zu der Götter Reich gelangen.“ Durch die theologische Stilisierung scheint hier doch der Volksglaube an Erscheinungen Verstorbener deutlich genug hindurch. Aber diese Geschichte steht in der Vedaliteratur, so viel ich sehe, einzig da. Das ist bemerkenswert, aber leicht verständlich. Himmel und Hölle genoßen, zumal als der Seelenwanderungsglaube immer lebendiger wurde, in der auf das Extreme gerichteten religiösen Phantasie den Vorrang. Die Gespensterwelt war nicht viel mehr als ein im populären Glauben ihr Dasein fristendes Rudiment außerhalb der lebendigen Denkrichtungen der Gegenwart: „die Lebenden und die Väter“, heißt es¹), „erscheinen nicht zusammen.“ So sind auch die Wesen, die wir in der Literatur der Abwehrsprüche gegen böse Dämonen und Plagegeister als Krankheits- und Unheilstifter antreffen, keine Gespenster. So wahrscheinlich es ist, daß diese Rakṣas, Piśāca usw. zum nicht geringen Teil schließlich auf böswillige Seelen Verstorbener zurückgehen²), war doch für die Dichter des Atharvaveda dieser Zusammenhang längst verdunkelt, jene Typen verselbständigt. Mehr von den Gespenstern hören wir erst in den altbuddhistischen Texten³).