Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s2.11
Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s2.11
- Language
- German
c3.s2.11
§ 6. Vedische Periode. — Ayanas, Jahreszeiten. — Das Jahr wird in zwei Ayanas, »Gänge«, abgeteilt; während eines derselben geht die Sonne nach Norden, während des anderen nach Süden; jeder dieser »Gänge« umfasst sechs Monate. Dass unter einem Ayana die zwischen je zwei successiven Solstizien liegende Periode zu verstehen ist, darüber ist die gesamte eigentliche astronomische Litteratur der Inder einig, und auch schon in den Brāhmaṇas finden sich darüber bestimmte Angaben, wie wenn das Kau. XIX sagt, dass die Sonne still steht, nachdem sie sechs Monate nach Süden gegangen ist, um sich dann wieder nach Norden zu wenden etc. Wir haben demnach kein Recht zu der Annahme (welche in neuerer Zeit von Einzelnen gemacht worden ist), dass in einigen vedischen Stellen unter den Perioden, während welcher die Sonne »nördlich« oder »südlich« geht, die Hälften des Jahres zu verstehen seien, während derer die Sonne sich entweder nördlich oder südlich vom Äquator befindet d. h. die zwischen je zwei Äquinoctien befindlichen Jahreshälften. Eine auf den Solstizien beruhende Einteilung des Jahres kommt freilich mit einer anderen Einteilung des Jahres, nämlich der auf den Jahreszeiten beruhenden, mehrfach in Widerspruch, indem es bei einer natürlichen Begrenzung der Jahreszeiten unthunlich ist, eine Jahreszeit zugleich mit dem Wintersolstiz anfangen zu lassen; über die hieraus entspringenden Incongruenzen dürfen wir uns aber nicht dadurch hinaushelfen, dass wir dem Terminus »ayana« eine neue Definition aufdrängen. Wenn das Śa. Brā. II. 1. 3 sagt, dass Frühling, Sommer und Regenzeit die Jahreszeiten der Götter sind, und dass während derselben die Sonne sich nach Norden wendet (udag āvartate), so haben wir es hier mit einer Verschmelzung zweier Formen von Jahreseinteilung zu tun, die sich ohne Opfer von Genauigkeit nicht ausführen liess. Die wärmere und hellere Hälfte des Jahres wird natürlich von Göttern zugeschrieben; dass von dieser Hälfte aber nur der grössere Teil mit dem nördlichen Gang der Sonne zusammenfällt, wird unbeachtet gelassen. Die sich so ergebende Incongruenz wird übrigens um so kleiner, je früher wir den Beginn des Frühlings ansetzen.
Linked texts (2)
- Śatapathabrāhmaṇa — Yājñavalkya & Śāṇḍilya (Vedic teacher), Sanskrit
- Kauṣītakibrāhmaṇa — Kauṣītaki, Sanskrit