Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s2.12
Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s2.12
- Language
- German
c3.s2.12
Die natürliche Einteilung des nordindischen Jahres ist die in drei Jahreszeiten — eine warme Zeit, eine Regenzeit und eine kühle oder kalte Zeit; es sind dies auch die in der jetzigen Zeit volkstümlich unterschiedenen Abschnitte des Jahres. Demgemäss werden auch in den Brāhmaṇas die Jahreszeiten (*ṛtu*) manchmal als drei bezeichnet, und dem entspricht das alte Institut der drei *cāturmāsya*, d. i. der am Anfang je einer viermonatlichen Jahreszeit darzubringenden Opfer. Eine weiter specialisirende Betrachtung führt auf die Annahme von fünf Jahreszeiten, indem zwischen der Regenzeit und der kalten Zeit eine Übergangsperiode von herbstlichem Charakter anerkannt wird, und ferner ein Unterschied gemacht wird zwischen den ganz heissen Monaten des Jahres und den vorhergehenden warmen Monaten, die unmittelbar auf die kühle Zeit folgen. Das System von fünf Jahreszeiten ist dementsprechend schon in den Brāhmaṇas vielfach anerkannt. Der Umstand ferner, dass das Jahr zwölf Monate hat, und dass es bequem ist, eine Zahl von Jahreszeiten zu haben, die sich der der Monate leicht anpassen lässt, muss wohl als der Grund angenommen werden, dass schliesslich das schon in den Brāhmaṇas im ganzen vorherrschende System von sechs Jahreszeiten zur Geltung kam; es wird hier als sechste Jahreszeit eine kühle (*śiśira*) Periode zwischen den eigentlichen Wintermonaten und den warmen Frühlingsmonaten eingeschoben. Die Reihe der Jahreszeiten ist demnach, wenn wir mit dem Frühling anfangen, *vasanta*, *grīṣma*, *varṣā*, *śarad*, *hemanta*, *śiśira*. Die Unterscheidung von sechs zweimonatlichen Jahreszeiten kann mit Hinsicht auf die natürlichen Verhältnisse kaum eine glückliche genannt werden; ihr bedeutendster Defect ist, dass sie die Regenzeit, die in keinem Fall auf weniger als drei Monate angesetzt werden darf, ungebührlich verkürzt. Es mag hier erwähnt werden, dass eine freilich in der vedischen Litteratur nicht bekannte (sondern erst aus Suśruta belegbare) Einteilung des Jahres in sechs Jahreszeiten, von denen zwei durch ihre Namen als mit dem Regen in Verbindung stehend bezeichnet werden (*prāvṛṣ* und *varṣā*), dem natürlichen Lauf des nordindischen Jahres besser entspricht als die erwähnte allgemein gebräuchliche; sie schliesst sich daher auch näher an die alte natürliche Dreiteilung des Jahres an.