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Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.1

Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.1

Language
German

c3.s3.1

In die vedische Periode fällt ebenfalls das erste Auftreten eines Zodiaks von 27 oder 28 Sternen oder Sternbildern, den sogenannten nakṣatra. Dies Wort bedeutet ursprünglich bloss Stern oder Sternbild und findet sich in den Saṃhitās, wie es scheint, nur in dieser Bedeutung vor; in den Brāhmaṇas dagegen fängt es an, in einer specielleren Bedeutung verwendet zu werden, nämlich als Bezeichnung einer die Sphäre umfassenden Reihe von 27 oder 28 einzelnen Sternen oder Constellationen, die sämtlich nicht weit von, die meisten ganz nahe bei, der Ekliptik liegen und so eine Art von Zodiak bilden. Die Zahl der constituirenden Glieder dieses Zodiaks hängt offenbar damit zusammen, dass der Mond zu seinem siderischen Umlauf etwas mehr als 27 Tagnächte braucht; er langt daher ungefähr jede Nacht des siderischen Monats bei einem anderen Glied der Nakṣatrareihe an. Die specielle Verbindung des Mondes mit den Nakṣatras wird durch alles, was die Brāhmaṇas über die letzteren zu sagen haben, durchaus bestätigt. Dieser, demnach lunare, Zodiak hat sich in Indien bis auf den heutigen Tag erhalten, neben dem solaren Zodiak von zwölf Gliedern, der wahrscheinlich in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung mit den Lehren griechischer Astronomie seinen Weg nach Indien gefunden hat. Eine Identification der Sterne, welche die Nakṣatras constituiren, lässt sich auf Grund des älteren indischen Materials nicht vornehmen; denn genauere Angaben über die Lage derselben, in Längen- und Breitengraden ausgedrückt, finden sich erst in den astronomischen Werken der dritten Periode, unter denen der Sūrya-Siddhānta voransteht. Es liegt aber kein Grund vor, daran zu zweifeln, dass die später als Nakṣatras anerkannten Sterne im ganzen wenigstens die Glieder der älteren Reihe darstellen. Die Identification der späteren Reihe mit den uns bekannten Sternen wurde schon von COLEBROOKE vollzogen, welcher dazu die ganze spätere astronomische Litteratur und die auf die Nakṣatras bezügliche Tradition benutzte; seine im ganzen unzweifelhaft richtigen Resultate sind in einzelnen Punkten von WHITNEY verbessert worden. In den späteren Texten beginnt die Reihe der Nakṣatras durchaus mit der indischen Constellation Aśvinī (= β und γ Arietis); in den vedischen Texten werden immer zuerst genannt die Kṛttikās (die Pleiaden). Die Ṛk.S. erwähnt in unzweifelhafter Weise nur zwei Glieder der Reihe und zwar im zehnten Maṇḍala. Vollständige Aufzählungen finden sich in der Ath. S. und in den Texten des Yajurveda. Die vedischen Texte sprechen in der Regel von 27 Nakṣatras; bisweilen wird ein 28. Abhijit erwähnt. Frühe schon hat sich der Gebrauch ausgebildet, entsprechend der Zahl der zodiakalen Sternbilder die Sphäre als in 27 oder 28 Abschnitte eingeteilt zu betrachten; wir werden darauf weiter unten, in der zweiten Periode, zurückkommen. Hier bemerken wir nur, dass die einzigen Stellen in der Sūtra-Litteratur, die von den Nakṣatras bestimmt als Abschnitten der Sphäre sprechen (die oben erwähnten aus den Sāmasūtren), sich auf 27 Abschnitte von gleichem Umfange beziehen.

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