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Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.10

Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.10

Language
German

c3.s3.10

Es ist jedoch ein anderer Umstand vorhanden, der eine ungefähr auf das 12. Jahrhundert v. Chr. führende Berechnung in gewisser Weise bekräftigt. Wie zuerst von A. WEBER gezeigt, findet sich im Kausītaki-Brāhmaṇa die Angabe, dass die Sonne am Neumonde des Monats Māgha stille steht, um sich dann nach Norden zu wenden. Dies stimmt nun ganz mit der Angabe des Jyo. Ve. über den Ort des Solstizes überein; denn am Neumond, der dem Vollmond in Maghās vorausgeht, befindet sich die Sonne eben am Anfang von Śraviṣṭhās. Dies macht wahrscheinlich, dass die Beobachtung des Solstizes schon in der Brāhmaṇaperiode gemacht wurde; und da nun aus Gründen, die mit astronomischen Berechnungen nichts zu thun haben, und die wir als litterarisch-chronologische bezeichnen können, die Brāhmaṇaperiode sehr wohl als das 12. vorchristliche Jahrhundert einschliessend angenommen werden darf, so haben wir eine Art von allgemeiner Übereinstimmung zwischen zwei unabhängigen Schlussweisen, welcher ein gewisser Wert sich nicht absprechen lässt. — Es erhebt sich nun hier die weitere Frage, ob nicht auch andere vedische Stellen, die direkte oder indirekte Angaben über das Verhältnis von gewissen Stellungen des Mondes im Kreise der Nakṣatras zu den Jahreszeiten enthalten, zur Bestimmung des Alters der Texte oder der Zeit, wann die betreffenden Angaben zuerst gemacht wurden, sich verwenden lassen. Schon COLEBROOKE hatte die Ansicht geäussert, dass, was aus den Nakṣatra-Namen sich ergibt, sich ganz wohl mit der besprochenen Bestimmung des Ortes des Wintersolstizes vereinigen lässt. Die ganze Frage nach der astronomischen und chronologischen Bedeutung der vedischen Angaben über kalendarische Dinge ist seit einigen Jahren der Gegenstand lebhafter Erörterungen gewesen, hervorgerufen durch die von BĀL GANGĀDHAR TILAK und H. JACOBI aufgestellte Behauptung, dass die Beobachtungen, welche einigen dieser Angaben zu Grunde liegen, auf drei bis vier Jahrtausende vor Christus zurückgehen; der erstere Gelehrte sucht für einige dieser Beobachtungen sogar das Alter von 6000 Jahren v. Chr. zu vindiciren. Diese Theorien wurden von anderen lebhaft bestritten, die zugleich versuchten, ähnlich wie COLEBROOKE aber auf einer breiteren Basis, positiv nachzuweisen, dass alles, was die Brāhmaṇas über Monate, Jahreszeiten, Jahresanfänge u. dgl. zu sagen haben, sich ganz wohl mit der Periode vereinigen lässt, auf welche die besprochene Lage des Wintersolstizes hinweist. Eine Ausnahme wäre dabei möglicherweise zu machen mit dem Faktum, dass die alten Aufzählungen der Nakṣatras mit Kṛttikās beginnen, falls nämlich diese Anordnung darauf beruhen sollte, dass Kṛttikās als das Frühlingsäquinoctium bezeichnend angesehen wurde, analog dem Anfang der späteren Nakṣatrareihe mit Aśvinī, welches in der Periode der ausgebildeten Siddhāntas nahe bei dem Frühlingsäquinoctium lag. Etwas Abschliessendes kann über alle diese Fragen noch nicht gesagt werden; und ich begnüge mich daher damit, in der Anmerkung auf den wichtigeren Teil der betreffenden Litteratur zu verweisen.

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