Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.8
Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.8
- Language
- German
c3.s3.8
§ 10. Vedische Periode. — Verwendung des Nakṣatra-Zodiaks. Ein solcher Zodiak lässt sich natürlich dazu verwenden, den Ort irgend eines der beweglichen Himmelskörper zu einer bestimmten Zeit anzugeben, der Sonne sowohl als des Mondes und der Planeten. Dies alles ist auch in Indien bis auf die heutige Zeit gebräuchlich. In der ältesten Litteratur aber erscheinen die Nakṣatras durchgängig nur mit dem Monde verknüpft (die erste direkte Beziehung der Sonne auf die Nakṣatras scheint die zu sein, welche in den oben erwähnten Stellen der Sāmaveda-Sūtras vorkommt). Wir haben hier erstens die Fälle, in denen es heisst, dass eine bestimmte Opferhandlung 'in' einem gewissen Nakṣatra vorzunehmen ist; dass z. B. das heilige Feuer »in Kṛttikās« (kṛttikāsu) angelegt werden soll; dies bedeutet: »wenn der Mond mit Kṛttikās in Conjunction ist«, anscheinend ohne Bezug auf irgend eine bestimmte Phase des Mondes. Wir haben nächstdem — und diese Fälle sind die zahlreicheren — Stellen, in denen Nakṣatras in bestimmter Beziehung auf die hauptsächlichsten Phasen des Mondes, d. i. Neumond und Vollmond, erscheinen, und zwar hauptsächlich auf den letzteren; es heisst z. B., dass ein Opfer stattfindet an der phālgunī paurṇamāsī, d. h. in der Nacht (oder an dem Tag), wann der Vollmond in Phalgunyas stattfindet. Schon in den ältesten Denkmälern, die diesen Gebrauch der Nakṣatras bezeugen, finden sich nur zwölf von den 27 Nakṣatra-Namen in dieser Weise mit dem Vollmond verbunden; es hatte sich also schon damals ein festes System von lunaren Monatsnamen ausgebildet, abgeleitet von den Nakṣatras, in denen der Mond in jedem Monate voll wird. In dem älteren Gebrauch erscheinen diese Namen nicht selbständig, sondern nur in adjektivischer Form in Verbindung mit paurṇamāsī oder amāvasyā, oder so, dass paurṇamāsī zu ergänzen ist; z. B. phālgunī paurṇamāsī; phalguny amāvasyā (was bedeutet »der Neumond des Monates, in welchem der Mond in Phalgunyas voll wird«); aṣṭamyāṃ phālgunīsuklasya d. h. in der achten Nacht (= Tag) der lichten Monatshälfte, welche dem Vollmond in Phalgunyas vorausgeht. Bald aber werden entsprechende selbständige Monatsnamen gebildet, phālguna, caitra etc., welche bis auf die Gegenwart im Gebrauch geblieben sind und, obwohl ursprünglich nur auf lunare Monate angewendet, secundär auch auf die solaren Monate (Zwölf-Teile des Sonnenjahres) übertragen worden sind, ein Verfahren, das durch den Charakter des indischen Jahres — als eines gebundenen Mondjahres, in welchem sich periodisch Einklang zwischen Sonnen- und Mondzeit herstellt — möglich gemacht wird.
Linked texts (1)
- Phālguna — Vedāntadeśika, Sanskrit