Astronomie, Astrologie und Mathematik c4.13
Astronomie, Astrologie und Mathematik c4.13
- Language
- German
c4.13
§ 46. Horā. — Ursprungsfrage. — Tājika. — Der horā oder jātaka genannte Teil der indischen Astrologie, welcher von den aus dem sogen. Horoskop abzuleitenden Vorbedeutungen handelt, kann insofern nur geringeres Interesse beanspruchen, als er nicht wie die Samhitā auf indischem Boden erwachsen ist. Dass er nämlich nichts weiter ist als eine Adaptation der griechischen Astrologie, ist evident und erhellt schon aus der grossen Anzahl von technischen Ausdrücken griechischen Ursprungs, von denen einige, wie āpoklima, das griechische Wort ganz unverändert darbieten und andere in nur ganz gering modificirter Form (kemadruma = κενό-δρομος, paṇaphara = ἐπαναφορά u. s. w.). Diese Termini finden sich in den Schriften Varāha-Mihiras, dem Bṛhaj-Jātaka und dem Laghu-Jātaka, von welchen das erstere das am meisten bekannte und am eifrigsten studirte Werk dieser ganzen Litteraturgattung ist. Der Inhalt dieser Werke entspricht ganz dem der analogen griechischen: sie beschäftigen sich wesentlich mit den Folgerungen, die aus den Stellungen der Himmelskörper im Augenblicke der Geburt eines Menschen für seine Lebensschicksale gezogen werden können. Es ist im ganzen dieselbe Lehre, welche, in ihren Grundzügen unzweifelhaft babylonischen Ursprungs, durch Vermittelung der Griechen allen anderen westlichen Nationen mitgeteilt wurde, das ganze Mittelalter beherrschte und auch heute noch im Westen nicht ganz ausgestorben ist. Wir begegnen in den indischen Werken denselben künstlichen Einteilungen des Zodiaks, denselben Grundbegriffen über die Natur der verschiedenen Planeten und ihres Einflusses. Es fehlt noch an detaillirten Untersuchungen auf diesem Gebiete; es scheint aber nicht, dass die Inder dem von den Griechen überkommenen Stoffe und den üblichen Methoden etwas wesentlich Neues hinzugefügt haben.
Linked texts (2)
- Bṛhajjātaka — Varāhamihira, Sanskrit
- Laghujātaka — Varāhamihira, Sanskrit