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Astronomie, Astrologie und Mathematik c4.14

Astronomie, Astrologie und Mathematik c4.14

Language
German

c4.14

Es erhebt sich hier wieder die Frage, um welche Zeit die Mitteilung dieser Disciplin vom Westen nach Indien erfolgt sein mag. Man denkt natürlich zuerst daran, dass die westliche Astrologie zugleich mit der westlichen Astronomie in Indien Eingang gefunden habe, und dies wird auch wohl im Allgemeinen der Fall gewesen sein; wir sahen uns aber genötigt, es dahingestellt zu lassen, in welchem Jahrhundert die astronomische Doctrin, auf der die wissenschaftlichen Siddhāntas beruhen, den Indern bekannt wurde. H. JACOBI ist zu dem Schlusse gekommen, dass die indische Astrologie in der Ausbildung, die uns in Varāha-Mihiras Werken vorliegt, einer ziemlich späten Stufe der westlichen Astrologie entspricht, derjenigen nämlich, die uns zuerst in Firmicus Maternus (um die Mitte des 4. nachchristlichen Jahrhunderts) entgegentritt; er beruft sich dabei vornehmlich auf die Lehre von den zwölf astrologischen Häusern, welche ein Hauptpunkt im indischen Systeme ist, unter den westlichen Autoritäten aber nicht früher als bei dem genannten Schriftsteller auftritt. Die griechische Astrologie könne demnach erst in der Periode zwischen Firmicus Maternus und Varāha-Mihira in Indien Eingang gefunden haben. — Dagegen weist Ś. B. DĪKṢIT darauf hin, dass, wie wir aus V. M. selbst ersehen, schon vor seiner Zeit eine bedeutende Anzahl von Schriftstellern in Indien auf dem Gebiete der Astrologie tätig gewesen waren, darunter einige, welche die spätere Zeit als Ṛṣis ansah, und schliesst daraus — in Verbindung mit anderen Indicien specieller Art, auf die hier nicht eingegangen werden kann — dass wir für die Entwickelung der Astrologie in Indien eine Periode von nicht weniger als etwa 800 Jahren anzusetzen haben. Es knüpft sich daran natürlich die Behauptung, dass auch der Jātaka-Zweig der indischen Astrologie seinem Ursprung und seinem wesentlichen Inhalte nach ein durchaus einheimisches Product sei, und dass das Vorkommen von griechischen Worten u. dgl. seinen Grund in einer späteren, nicht wesentlichen Beeinflussung der indischen Disciplin vom Westen aus habe, so dass sich Ś. B. DĪKṢIT den Verlauf der Dinge auf astrologischem Gebiete dem von ihm in der Astronomie vermuteten als wesentlich analog vorstellt. — Diese ganze Hypothese erscheint aus naheliegenden Gründen sehr wenig wahrscheinlich; es muss aber eine genauere Durchforschung des für die Geschichte der indischen Astrologie vor V. M. vorliegenden Materials vorgenommen werden, ehe man zu einem abschliessenden Urteil über die Zeit der Einführung der griechischen Lehren in Indien gelangen kann. Was die angeblich von Ṛṣis verfassten astrologischen Werke betrifft — von denen einige erhalten und auch veröffentlicht sind — so steht es damit nicht zum besten. Es gibt eine Laghu-Pārāśarī und eine Bṛhat-Pārāśarī über Jātaka; aber Ś. B. DĪKṢIT weist selbst darauf hin, dass Bhaṭṭotpala erklärt, er habe Parāśaras Werk nicht zu Gesicht bekommen. Die dem Jaimini zugeschriebenen, in Prosa abgefassten Sūtren über Jātaka werden weder bei V. M. noch bei Bhaṭṭotpala erwähnt und enthalten griechische termini technici. Eine astrologische Bhr̥gu-Saṃhitā von enormem Umfang war ebenfalls dem V. M. und seinem Commentator unbekannt. Indessen ist nicht zu bezweifeln, dass dem V. M. wirklich Jātaka-Texte vorlagen, die schon damals als von Ṛṣis stammend angesehen wurden. Unter den ihm bekannten Jātaka-Autoritäten, die nicht als Ṛṣis gelten, ist ein Yavanācārya zu bemerken; und Bhaṭṭotpala bezieht sich auf einen Yavaneśvara Sphujidhvaja.

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