Astronomie, Astrologie und Mathematik c4.5
Astronomie, Astrologie und Mathematik c4.5
- Language
- German
c4.5
§ 44. Saṃhitā. — Während dasjenige astrologische Wissen, das sich mit dem Horoskop beschäftigt, als nicht indischen Ursprungs anzusehen ist, erscheint der sogen. Saṃhitā-Zweig der Astrologie als ein durchaus einheimisches Gewächs. Wir können im Allgemeinen sagen, dass während eben des Zeitraumes, mit dem die zweite Stufe der indischen Astronomie in Verbindung steht — und dessen Grenzen, besonders nach oben hin, wir nicht in der Lage waren genau zu bestimmen — sich in Indien eine bedeutende Litteratur entwickelte, die darauf ausging, eine vollständige Darstellung des Wissens von natürlichen Vorzeichen aller Art zu geben. Dass diese Pseudowissenschaft durchaus indischen Ursprungs ist, erhellt aus ihrer eigentümlich indischen Färbung, und wird ausserdem dadurch bestätigt, dass das in Werken dieser Art vorausgesetzte Wissen durchaus das der zweiten astronomischen Periode ist, welches wir weiter oben als das national indische bezeichnet haben. Es ist die Lehre vom fünfjährigen Yuga, die uns auch hier entgegentritt. Die Einteilung der Sphäre ist durchaus die in Nakṣatras, und was von den Bewegungen der Planeten bekannt ist, hat einen durchaus unwissenschaftlichen Charakter. Mit den zahlreichen Autoren, die auf diesem Gebiet der Astrologie thätig gewesen zu sein scheinen, sind wir allerdings — mit einer gleich zu nennenden Ausnahme — nur durch Erwähnungen und Citate bei Varāha-Mihira und seinem Commentator bekannt; letzterer aber besonders enthält viele, oft recht umfangreiche, Stellen aus einer Reihe älterer Autoritäten wie Garga, Vṛddha-Garga, Devala, Parāśara u. s. w. (vgl. die Aufzählung von V. Ms. Vorgängern bei KERN, Einleitung zur Ausgabe der Bṛ. Saṃh. p. 29). Vṛddha-Garga, dessen Werk (Vṛddha-Garga-Saṃhitā oder Vṛddha-Gārgiya genannt) schon oben (§ 21) als astronomisch interessant genannt wurde, ist der einzige Autor, der aus dieser Periode auf uns gekommen ist. Auf Grund von Anspielungen auf historische Ereignisse, die in einem seiner Kapitel vorkommen — in der Form von Prophezeiungen künftiger Dinge — ist KERN geneigt, den Ursprung des Werkes im ersten vorchristlichen Jahrhundert anzusetzen (Bṛ. Saṃh. Ed. Preface p. 35 ff.).
Linked texts (2)
- Bṛhatsaṃhitā — Varāhamihira, Sanskrit
- Vṛddhagārgīyajyotiṣa — Garga, Sanskrit