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Astronomie, Astrologie und Mathematik c4.6

Astronomie, Astrologie und Mathematik c4.6

Language
German

c4.6

Über den inneren Charakter dieses Litteraturkreises belehren wir uns am besten aus der Bṛhat-Saṃhitā des schon so oft genannten Varāha-Mihira. Dieser Autor gehört als Astronom der wissenschaftlichen Periode an; sein Saṃhitā-Werk dagegen bildet den litterarischen Abschluss einer Entwickelung auf astrologischem Gebiet, welche durchaus der vorwissenschaftlichen Periode angehört. Wie schon bemerkt (§ 19), hat er leider in allen astronomischen Dingen, die in der Bṛhat-Saṃhitā in Frage kommen, die alte Überlieferung fallen lassen und uns so eine Quelle der Belehrung über die Astronomie der zweiten Periode verschlossen; auf astrologischem Gebiete dagegen darf er wohl als ein im Ganzen treuer Repräsentant der alten Ansichten angesehen werden, obschon er etwas zu sehr über dem von ihm behandelten Stoffe steht. Jedenfalls verdanken wir ihm die Kenntnis einer Masse alten Glaubens und Aberglaubens; sein Werk ist in dieser Beziehung eines der interessantesten der indischen Litteratur. Die ersten — und wichtigsten — 39 Kapitel des (im Ganzen 107 Kapitel umfassenden und in eleganten Āryās geschriebenen) Werkes handeln von natürlicher Astrologie im engeren Sinne, d. h. von all den Vorbedeutungen, welche man aus solchen Naturphänomenen ziehen kann, auf die sich etwa der griechische Terminus τὰ μετέωρα anwenden liesse, Dinge, die sich am Himmel und in der Atmosphäre zutragen: Aspekte der Sonne, des Mondes und der Planeten, der Nakṣatras, der sieben Ṛṣis und des Agastya (Canopus); Kometen; Meteore; Wolken, Winde und Regen; Regenbogen, Fata Morgana u. dgl.; dazu auch Erdbeben. Die Kapitel über die Planeten enthalten manches Interessante, Halbastronomische, so die auch aus älteren Autoritäten bekannte Einteilung des Kreises der Nakṣatras in neun »Pfade« (vīthī), welche nach Tieren benannt sind: »Schlange«, »Elephant«, »Ochs«, »Kuh« u. s. w., die Unterscheidung von verschiedenen Phasen in den Planetenbewegungen, die verschiedenen Aspekte der rückläufigen Bewegung des Mars, und Ähnliches. Die Omina hängen meist von der Verbindung der Himmelskörper mit den verschiedenen Nakṣatras ab. Die älteren Autoren auf diesem Gebiete wie Vṛddha-Garga erwähnen die Zeichen des Zodiaks gar nicht; doch gab es offenbar schon vor V. Ms. Zeit Astrologen, welche die alten Regeln mit Bezug auf den Zodiak umgearbeitet hatten. Die Omina sind in der Regel von der Art, dass bestimmte Aspekte Heil oder Unheil mannigfaltiger Art — und zwar in der Regel das letztere — für gewisse Teile des Bharata-varṣa oder gewisse Classen seiner Einwohner vorausbedeuten; die Könige besonders erscheinen beständig in tausendfältiger Weise bedroht, und die verschiedenen Länder in ewiger Gefahr von Hungersnot. Die Nennung von zahlreichen Ländern, Völkern, Flüssen u. dgl. (FLEET, Ind. Ant. XXII, p. 169 ff.) gibt diesen Kapiteln auch ein geographisches Interesse. — Für den Inhalt der folgenden Kapitel des Werkes ist es nicht möglich, eine zusammenfassende Bezeichnung zu finden; sie handeln wirklich von allem Möglichen, und die Gegenstände folgen aufeinander in bunter Planlosigkeit. Einige Abschnitte handeln wieder von Omina verschiedener Art, besonders den aus Vogel- und anderen Tierstimmen abzuleitenden; andere geben an, von welcher Art und Beschaffenheit Hausgeräte, Edelsteine, Waffen, Haustiere u. s. w. sein müssen, um ihren Besitzern Glück zu bringen; weitere handeln von Wohlgerüchen und Heilmitteln; andere wieder geben Regeln für die Dimensionen und die Errichtung von Gebäuden verschiedener Art, für die Verfertigung und Aufstellung von Götterbildern, für die Auffindung von Wasserquellen und Ähnliches mehr.

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