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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c10.3

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c10.3

Language
German

c10.3

C. Interpunction⁸. Interpunctionszeichen kommen nur in Verbindung mit der Brāhmī-Schrift vor, bei dieser aber, wenigstens sporadisch schon seit der ältesten Zeit. Die verwendeten Zeichen sind folgende. 1. Der einfache Verticalstrich (*daṇḍa*) wird in einigen A. Ed.⁹ unregelmässig und oft falsch zur Abtrennung einzelner Wörter oder Gruppen, später zur Scheidung von Prosa und Versen,¹⁰ am Ende kleinerer Satzteile¹¹ oder von Sätzen,¹² von Halbversen¹³, oder auch von Versen¹⁴ und sogar zur Bezeichnung des Endes von Documenten¹⁵ verwendet. In Inschriften der östlichen Calukya¹⁶ wird mitunter oben ein kurzer Horizontalstrich aufgesetzt [Figure:]. 2. Der doppelte Verticalstrich [Figure:] steht in den Junnar-Inschriften No. 24—29 hinter Zahlwörtern und einmal hinter dem Namen des Gebers. Später erscheint er am Ende von Sätzen¹⁷, Halbversen¹⁸, Versen¹⁹, grösseren Abschnitten und Documenten²⁰. Vom 5. Jahrh. an erhält der erste der beiden Striche oft oben links einen Haken²¹ [Figure:]. Mitunter werden sogar beide Striche oben nach links und rechts gekrümmt²² [Figure:], Krümmungen und Haken erscheinen auch am Fusse eines oder beider Striche.²³ Vom Ende des 8. Jahrh. bis zum 13. Jahrh. erhält der erste Strich auch einen Haken in der Mitte links,²⁴ [Figure:] und in den Inschriften der östlichen Calukya kommt der Horizontalstrich oben vor [Figure:] und ähnlich in einer Kaliṅga Inschrift²⁵ [Figure:]. 3. Ein dreifacher Verticalstrich steht mitunter am Ende von Inschriften.²⁶ 4. Ein kurzer Längsstrich links unter den ersten Zeichen der letzten Zeile dient in den A. Ed. von Dh. und J. zur Abtrennung der Edicte. Vom 2. Jahrh. a. Chr.²⁷ bis zum Ende des 7. Jahrh. p. Chr. dient dies Zeichen, das oft gekrümmt oder an einem seiner Enden mit einem Haken versehen wird, zu denselben Zwecken wie der einfache Verticalstrich.²⁸ 5. Ein doppelter Längsstrich, oft gekrümmt, erscheint vom 1.—8. Jahrh. p. Chr. als Vertreter des doppelten Verticalstrichs,²⁹ und in den Kuṣaṇa-Inschriften, sowie auch später, mitunter ein Doppelpunct.³⁰ 6. Verbindungen von doppeltem Verticalstrich und einfachen Horizontalstrich stehen am Ende von Inschriften³¹. 7. Ein halbkreisförmiger Strich [Figure:] markiert die Enden von K. Ed. I—XI. 8. Ein halbkreisförmiger Strich mit einer Barre in der Mitte [Figure:] erscheint zweimal in Kuṣaṇa-Inschriften nach *siddham*.³² Ausserdem dienen Zahlzeichen allein, wie in CII, 3, Nr. 1—2, mitunter zur Bezeichnung des Endes von Versen, und Maṅgalazeichen (s. u.) allein in Inschriften oft zur Bezeichnung des Endes des Documentes, im Bower-MS. auch zur Bezeichnung von kleineren Abschnitten. Endlich sind die Begrenzungslinien zu erwähnen, die in den A. Ed. von G., J.S.Ed und Dh.S.Ed I zur Abtrennung der einzelnen Teile verwendet werden. Kurz gefasst ist die Geschichte der Interpunction folgende. In der ältesten Periode, bis zum Anfange unserer Ära, erscheinen nur einfache, gerade oder gekrümmte Striche und ihr Gebrauch ist selten. In nachchristlicher Zeit treten die complicierteren Zeichen auf. Der Gebrauch bleibt aber bis zum 5. Jahrh. unregelmässig. Von da an finden sich besonders in den Praśasti auf Stein regelmässigere, durchgeführte Systeme und in der Mandasor-Praśasti von 473/4 n. Chr. (CII, 3. No. 18) zeigt sich zuerst das noch geltende Princip, das nach dem Halbverse einen, nach dem Verse zwei Striche erfordert. Unter den Kupferplatten und Steininschriften, besonders aus dem Süden, giebt es aber bis in das 8. Jahrh. hinein noch manche, die gar keine Interpunction zeigen.³³ Die methodische Ausbildung des Systems ist von den Gelehrtenschulen ausgegangen und in den Kanzleien nie ganz durchgedrungen. Stets aber hängt, wie eine Vergleichung der Documente einer und derselben Dynastie leicht zeigt, seine Durchführung von dem Bildungsgrade der Schreiber und ihrer Sorgfalt ab.

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